34
Aber Boijer erklärte, daß die Hochzeit zwiſchen ihnen ſtattfinden ſollte, und nun kam es ihr vor, als würde der luftige Roſenſchleier auf einmal entzwei ge⸗ riſſen.
Durch dieſe Erklärung bekamen alle die Selbſttäu⸗ ſchungen, welche ſie gaukelnd umſcherzt hatten, gleichſam ein irdiſches Daſein.
Die Himmelfahrt, die bisher ihr unerfahrenes jun⸗ ges Herz hingeriſſen hatte, ſtockte auf einmal.
Der Himmel verlor gleichſam ſein Sonnenlicht, die Erde ihre Blumen.
Sie hatte mit der Liebe geſchwärmt und ſich glück⸗ lich gefühlt; die Liebe kam als Wirklichkeit und ſie er⸗ ſchrack.
All die glühenden und entflammenden Reizmittel, deren Alfreds charakterloſe Leidenſchaft ſich bedient hatte, un ihre Neigung zu unterhalten und zu befeuern, erloſchen, und es wurde ſo finſter.. ſo finſter in ihrer Seele.
Jetzt erinnerte ſie ſich des Verſprechens, das ſie ihm während der Schlittenfahrt gegeben hatte.
Es war nicht mehr ein Wolkenfleck, der zwiſchen den Zweigen eines Roſenbuſches hervorſchimmerte, es war ein Samum, welcher die Blumen in ihrer fchwärmeriſchen jungen Seele zu verheeren drohte.
Was die kindlichen Träume ſpielend ihr verborgen hatten, das hielt die Wirklichkeit entſchleiert und nackt ih⸗ ren Blicken vor.
Als ſie von Wardnäs zurückkam, warf ſie ſich ihrer
Mutter in die Arme. Die Baronin glaubte, ihre Unruhe komme von ge⸗ wöhnlicher jungfräulicher Scheu, und ſuchte ſie wegzu⸗
ſcherzen, ſo daß Emma, die ſich ſelbſt nicht verſtand, end⸗
lich daſſelbe zu glauben anfing. Aber es war doch nicht wie vorher. Mitunter kam eine Angſt über ſie, deren ſie ſich nicht erwehren konnte.


