Ein Gemälde ohne alle Poeſie, ohne alle Illuſion, ohne alle Blüthe, ohne allen Duft.
Sie hatte die aufgedunſene Rohheit, die betrunkene Grobheit, die eckelerregende Unverſchämtheit, den plum⸗ pen Hohn und das beſoffene Gegrinſe geſehen.
Sie hatte ſich das Glas als eine Freude gedacht; jetzt hatte ſie es als Abgrund geſehen.
Sie entſetzte ſich, denn in dieſem Abgrund hatte ſie ihren Mann und mit ihm ſein Glück, ſeine Liebe, die vor einigen Jahren ſo ſchön geträumte Seligkeit ihres Lebens den Furien preisgegeben gefunden. Sie entſetzte ſich.
Der Dämon der Völlerei hatte vor ihr die Thore ſeines Reichs weit geöffnet und ſie hatte brennende Ge⸗ ſichter und flammende Augen geſehen, hatte... doch wofür uns in die Schilderung eines Abgrunds vertiefen, wenn der Wahnwitz den Verſtand entthront hat und die Handlungen des Menſchen keinen Regulator mehr beſitzen?
Aber aus dieſen Erinnerungen kam ſie bald in die Gegenwart.
Sie ſchaute ſich um. Eeſt jetzt ſtellte ſie die Frage an ſich, wo ſie ſich befinde. f Zu ihrem äußerſten Schrecken erkannte ſte nicht einen einzigen von allen Gegenſtänden, welche ſie um⸗ aben. 1 Sie erinnerte ſich lebhaft, daß ihr Mann ſie ge⸗ ſchlagen hatte und daß ſie umgefallen war, nachher erinnerte ſie ſich nicht mehr. 3 Ihr Herz ſchlug gewaltſam. Hatte man ſie wohl einſperren können? Noch leuchtete der Lichtdocht im Leuchter, konnte aber jeden Moment erlöſchen. Haſtig flog ihr Blick im gimmer umher, und als ſie jetzt die Thüre entdeckte, eilte ſie dahin um ſich einen Ausgang zu ſuchen. Aber die Thüre war verſchloſſen. Es war alſo wirklich wahr, daß man ſie in dieſen kleinen Ab⸗ grund eingeſperrt hatte. Sie hörte Stimmen draußen
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