Teil eines Werkes 
7. bis 12. Bändchen (1854)
Entstehung
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Bei keinem Laſter emancipirt ſich das Thieriſche im Menſchen ſo gänzlich vom Moraliſchen wie bei der Völle⸗ rei. Der Eine und Andere kommt zwar nicht weiter, als daß er mit dem Göttlichen ſcherzt, andere lachen höhniſch darüber; in der letzten Inſtanz handelt man wie man ſpricht, und wenn ſich auch eine Gränze da⸗ zwiſchen befindet, ſo kommt es blos auf den Wahnwitz de Augenblicks an, ob man ſie überſpringt oder nicht.

Sophie hatte ſich vorgeſtellt, daß es etwas Poeti⸗ ſches in der Trunkenheit gebe; ſie hatte hie und da ſelbſt ein Glas Wein oder Carolina genommen und dieß war ſo ſüß und gut geweſen, ſie hatte ſich davon ganz belebt gefühlt. Sie hatte zwar allerdings Bellmans Schriften nicht geleſen, aber ſie hatte ſeine Lieder ſingen gehört, und wenn ſie auch in der Tiefe ſeiner Schilderungen eine gewiſſe Melancholie entdeckte, ſo war dieſelbe doch ſo geiſtreich, ſo voll von Poeſie, ſo witzig und toll, daß ſie in jeder Figur, die darin hervorſchimmerte, eine nordiſche Ba⸗ chantin zu ſehen glaubte, die wenn auch eine erfrorene Thräne in ihren Augen zitterte, gleichwohl tanzend den Thyr⸗ ſus um ihre traubenbekränzte Stirne ſchwang. Auf ſolche Art hatte ſie den einen und andern flüchtigen und jung⸗ fräulichen Blick in die blühenden Vorhöfe der Trunken⸗ heit geworfen, wo die lebendige, aber doch reine Freude wohnt, wo die Adern der Kraft von neuem Behagen ſchwellen, wo Vergnügen und Scherz gleich glücklichen Kindern ſpielen, unbändig da und dort einen Zipfel an der Schürze der unſchuldigen Myſterien des Lebens em⸗ porhebend, wo die Liebe ihre Leier ſchlägt, und der Geſang in hinreißende Dithyramben übergeht, wo das Herz ein Herz und Freundſchaft die Freundſchaft ſucht, wo die Schönheit lächelt und die Tugend erröthet, ohne ihre Augen niederſchlagen zu müſſen.

Aber was hatte ſie jetzt geſehen? Ridderſtad, Vater und Sohn. II.