Noch einmal ertönte daſſelbe Wort, es war ihr eigener Name.
Sie fühlte, wie warm ſie um ihre Wangen wurde und daß eine Röthe ſich über dieſelben verbreitete; aber auf ihren Namen folgte nach einer kurzen Pauſe eine Lachſalve, und die Wärme floh von ihrem Geſicht, und die Wangen wurden wieder kalt und bleich.
Die Erinnerung mit ihren matten Schatten kehrte jetzt zurück.
Wie eine Landſchaft in der Morgendämmerung auf⸗ wächst, ſo wuchſen jetzt auch die Erinnerungen in ihrer Seele empor. Sie entſann ſich der Ereigniſſe des Abends, aber ſie verbarg dabei das Geſicht in ihrer Hand, gleich als hätte ſie ſich vor ihren eigenen Erinne⸗ rungen verbergen wollen.
Ein unwillkührlicher Schander erſchütterte ihr Herz, als das Gedächtniß mit ſichern Federzügen ihr die Scene vorzeichnete, die ſich ſo eben zugetragen hatte.
Mit einem düſtern und unheimlichen Gefühl erin⸗ nerte ſie ſich der gewaltſamen, obſchon wahrſcheinlich nur durch einen Rauſch veranlaßten Handlungsweiſe ihres Mannes.
Schon manches Jahr hatte ſie zwar über die Lei⸗ denſchaft geſeufzt, die ihn ſo tyranniſch beherrſchte, aber ſie hatte ſich gleichwohl vorgeſtellt, zwar nicht, daß er der einzige in dieſer Art ſei, ſondern doch, daß man in den Geſellſchaften, wo er ſeine Abende zubrachte, ſich wenigſtens wie Menſchen aufführe. Sie glaubte, man betrinke ſich da ein wenig und gehe dann nach Hauſe.
Und welches Frauenzimmer kann denn auch begrei⸗ fen, daß man juſt, wenn man ſich ein wenig betrunken hat, am allerärgſten zu zechen anfängt?
So lange man nüchtern bleibt, iſt man verſtändig und nimmt immer nur ein paſſendes Maß zu ſich; aber iſt man einmal voll, ſo hat man gar keinen Boden mehr..
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