Teil eines Werkes 
7. bis 12. Bändchen (1854)
Entstehung
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15⁵

Als Sophie aus ihrer Ohnmacht erwachte, ſtarrte ſie verwundert um ſich. Ibre Gedanken irrten bin und her wie die erſten matten Strahlen der zarten Morgen⸗ röthe: es war weder Licht noch Dunkel in ihrer Seele, ſondern eine unbeſtimmte, zitternde Dämmerung. Alles war ſo wunderbar ſowohl in ihr als außer ihr; ihr Kopf fühlte ſich nicht ſchwer, ſondern eber leer. Sie wußte nicht, ob ſie träumte oder wachte. Aus dem Halbdunkel traten die Gegenſtände im Zimmer in ſo fremde, ſonderbare Bilder. Auf einem unangeſtrichenen, kaum gebobelten Schreibtiſch ſah ſie ein dünnes Licht, das bereits mit matter, erſterbender Flamme am Ende eines unreinen Dochtes keuchte. Das Licht, das ſich von da aus verbreitete, glich mehr einem röthlichen Rauch, als einer wirklichen Flamme. Auf einem Tiſch weiter hinweg ſtanden eine Flaſche und etliche Gläſer. In einer Ecke lagen verſchiedene hölzerne Gefäße auf einander ge⸗ ſtapelt. Auf einem Ständer ſah ſie allerlei zerbrochene Haushaltungsgegenſtände unordentlich hingeworfen. An einem andern Orte entdeckte ſie einen Haufen Lum⸗ pen. Von allen Seiten traten neue, fremde und un⸗ heimliche Gegenſtände ihren matten, unſichern Blicken entgegen. War nicht alles zuſammen eine optiſche Täu⸗ ſchung? Aber der Blick gewann allmählig immer mehr Schärfe.

Das Getöne ſtampfender Füße nahte ſich ihr vom obern Zimmer her. Sie hörte jetzt verworrene, um ein⸗ ander her kreiſchende Stimmen. Aber ſo unſicher kaum noch ihr Geſicht geweſen, ebenſo war auch ihr Ge⸗ hör. Sie vernahm blos ein Brauſen, kein klares Wort, keine verſtändliche Stimme, keinen reinen Ton.

Mit einer lebhaften Bewegung ſprang ſie indeß auf einmal von ihrem Platze auf. Ein Wort hatte ſich ihr genaht. Die Hand an ihre Stirne gehoben, ſtand fie ſtill und lauſchend da.