Teil eines Werkes 
7. bis 12. Bändchen (1854)
Entstehung
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Rufe? Die Stimme iſt jammernd und leidend; wollen Sie mir den Schlüſſel geben, Doctor?

Jeſpersſon hatte keine Luſt, irgend eine fremde Per⸗ ſon zu Sophie hineinzulaſſen. Er begriff, daß ſie aus ihrer Ohnmacht erwacht war, und ſtellte ſich vor, ſie würde in große Angſt gerathen, wenn ſie erführe, wo ſie ſich befände, ohne daß ſie ſich möglicher Weiſe erin⸗ nerte, wie ſie von ihrem Mann mißhandelt worden. Das Stübchen mit ſeinem elenden Ameublement glich mehr einer Gefängnißzelle, als einer Wohnſtätte für freie Menſchen, und konnte alſo nichts anderes als einen un⸗ behaglichen Eindruck hervorrufen. Jeſpersſon, deſſen ſonſt nicht ſentimentale Seele ſoeben den Nektar eines wonni⸗ gen Behagens aus dem Kelch ihrer unſchuldsvollen, blaſſen Geſichtszüge getrunken, meinte ihre Lage ſo wohl zu begreifen und wäre gern ſelbſt zu ihr geeilt aber konnte er wohl Abrahamsſon jetzt... jetzt ſogleich ver⸗ laſſen? Wie viel beruhte nicht auf einem Geſpräch mit ihm?

Verlaſſen Sie mich, befahl er Mutter Maja. Den Schlüſſel gebe ich nicht her. Ich werde im Augen⸗ blick kommen.

Er antwortete, ohne daß er ſich ſelbſt klar machte, was er thun ſollte.

Aber das Frauenzimmer ruft um Hilfe.

Das iſt ganz gut, laß ſie rufen. Das beweißt, daß ſie noch am Leben iſt. Geh Deines Wegs. Du köunteſt durch dein Gerede den armen Mann da aufwecken .. ſein Leben beruht daranf, daß er ſchlafen darf... ich komme ſogleich... verlaß uns... verlaß uns.

Mutter Maſa entfernte ſich, jedoch nicht ohne über die Eigenmächtigkeit zu murren, die ſich Jesſpersſon in ihrem Haus aumaßte.

Sie hatte kaum die Thüre hinter ſich zumachen