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machte er, gleich als hätte er ſich an etwas erinnert, mit der Hand ein Kreuz über ſich, ein Kreuz vom Kopf und bis über die Bruſt hinab, wie auch zwiſchen den Schultern.
Es ſollte ein Grabkreuz bedeuten.
„Wünſchen Sie zu ſterben?“
Er deutete auf ſein ſchönes weißes Haar und legte ſodann die Hand auf ſein Herz.
„Wollen Sie mir ſagen,“ fragte Jeſpersſon,„was die Urſache all des Elends iſt, worin Sie ſich jetzt be⸗ finden?“ 1
Der Mann runzelte blos die Augenbrauen.
„Die Urſache?“ wiederholte Jeſpersſon.
Der Gefangene richtete ſich mit einer gewaltſamen Anſtrengung im Bette auf. Seine Augen öffneten ſich und ſeine Blicke flammten mit hochrothem und wildem Glanz.
„Der Branntwein,“ ſtieß er aus.
Es war, als hätte er mit dieſem einzigen Ausdruck einen ganzen Felſen von ſeiner Bruſt gewälzt, als hätte er alle Qualen und Kümmerniſſe ſeines ganzen Lebens in dieſes Wort zuſammengedrängt, als hätte er auf ein⸗ mal einen Fluch auf die Menſchheit geſchleudert und ſie zu gleicher Zeit wegen ſeiner eigenen Verbrechen an⸗ geklagt.
Dann ſank er wieder auf das Bett hinab und ver⸗ ſchloß ſeine Augen.
Jeſpersſon ſuchte mit unermüdlichem Eifer in dem ungeordneten Magazin ſeiner Erinnerungen nach dem Modell dieſes Mannes, aber vergebens.
„Sagen Sie mir Ihren rechten Namen,“ ſagte er endlich.„Ich weiß, daß ſolche Perſonen wie Sie den Namen oft verändern... Sie heißen nicht Hansſon.“
Der Gefangene bewegte ſich nicht.
„Wir ſind allein, mein Freund,“ fuhr Jeſpersſon fort;„wenn ich Sie anſehe, meine ich Sie wieder zu


