Jeſpersſon als Arzt auch voll von Launen war, deun der allen Zwanges ledige Mann ließ ſich nicht gern durch irgend etwas kommandiren. Aber griff er das Werk an, ſo be⸗ ſaß er eben ſo viel wiſſenſchaftliches Studium, als Men⸗ ſchenkenntniß, ohne weich letztere noch niemand ein ge⸗ ſchickter Arzt geworden iſt. Es war indeß nicht blos die Krankheit des Gefangenen, was Jeſpersſon ſo großes Jutereſſe einflößte; die Ueberzeugung, daß er ihn vorher ſchon geſehen habe, feſſelte ſein Gedächtniß und, wie wir wiſſen, lebte Jeſpersſon mehr im Reich der Erinnerung als der Hoffnung. Ausgenommen, daß er ein paarmal auf einen Augenblick ſich zu Sophie hineinbegab, um ſie zu ſehen, verließ er ſeinen neuen Patienten nicht. Un⸗ verwandt betrachtete er ihn und beobachtete genau jede Veränderung. Er überſah auch die wohlthätigen Wir⸗ kungen des Bades nicht. Als der Gefangene ins Bett gebracht war und die Blutceirkulation mit ihren Aeußer⸗ ungen der Wirkſamkeit eines innern Lebens zurückkehrte, kam er wieder zu ſich und Jeſpersſon überzeugte ſich immer mehr, daß er ſich nicht täuſchte, ſondern daß das Geſicht ihm bekannt war. Den Namen Hanſſon konnte er ſich indeß nicht erinnern je gehört zu haben.
Jesperſſon bemerkte die tappende Handbewegung des Patienten und er beugte ſich hinab und fragte, ob er etwas wünſche.
„Ihre Hand,“ antwortete er.
FJeſpersſon reichte ſie ihm und der Patient drückte ſie dankbar und führte ſie an ſeine Lippen.
„Wie befinden Sie ſich jetzt?“ fragte Jesperſſon.
Der Gefangene öffnete die Augen nicht, bewegte die Lippen nicht, aber er faltete ſeine Hände.
Die Antwort war rührend und überraſchte Jeſpersſon, der ſich ſonſt juſt nicht überraſchen zu laſſen pflegte.
„Wenn Sie etwas wünſchen, ſo ſagen Sie es, und ich will alles für Sie thun, was ich kann.“
Der Gefangene ſchüttelte den Kopf; dann aber


