Teil eines Werkes 
7. bis 12. Bändchen (1854)
Entstehung
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davon. Er erkrankte unterwegs, und ich führte ihn hie⸗ her, damit er über Nacht ein warmes Zimmer bekommen ſollte. Wollen Sie ihn verpflegen, Herr, ſo erlaube ich es recht gern. Ich werde ihn ſchon bewachen.

Nehmen Sie ihm alſo die Feſſeln ab.

Warum nicht? Er ſpringt meiner Seel nicht weit. Morgen, bevor ich ihn an das Gotteshaus führe, muß ich ihm ja das Eiſen auch abnehmen.

Als der Gefangene ſich frei fühlte, ſchüttelte er ſich wie ein Hund, wenn er aus einem See auf das trockene Land kommt..

Jeſpersſon hatte Mutter Maja ein Paar ſilberne Reichsthaler in die Hand gedrückt und beherrſchte jetzt das ganze Haus..

Nachdem er ein Privatzimmer erhalten, ließ er ein ordentliches Bad für den Gefangenen zubereiten. Mit der Uhr in der Hand war Jeſpersſon ſelbſt dabei. Aus der Badwanne wurde der leidende Mann in ein warmes und weiches Bett gebracht. Ein wohlthätiges Dekokt, das Mutter Maja nach Anleitung des Doctors zubereitet hatte, ſetzte dem Werk die Krone auf. Es war als Menſchenſtudium, ſehr intereſſant, die Veränderungen zu beobachten, welche die wohlberechnete mediziniſche Pflege herbeiführte. Als man ihn ins Bett gebracht hatte, ſchlummerte er beinahe ſogleich ein, aber es ſchien ganz klar, daß das in Folge eines friedlichen Behagens, eines heilſamen Genuſſes, eines vereinigten Wohlbeſindens der Seele und des Körpers geſchah. Das Blut kam wieder in Gang. Die Glieder wurden von neuem weich. Die Haut erhielt eine andere Farbe. Das vorher ſo blaß⸗ graue Geſicht bekam Leben und Röthe. Die Augenlider des Mannes waren zugefallen, aber ſeine Hand tappte umher, gleich als ſuchte er etwas.

Damit nichts den Kranken ſtören ſollte, hatte Jes⸗ persſon alle andern aus dem Zimmer entfernt und be⸗ fand ſich allein mit ihm. Wir haben Beiſpiele, daß