Teil eines Werkes 
7. bis 12. Bändchen (1854)
Entstehung
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wieder erhalten hatte, bemerkte, daß Hanſens Theil⸗ nahme für den Gefangenen ſich nicht blos auf den Schnaps beſchränkte, ſondern daß er und der Gefangene von Zeit zu Zeit auch einen geheimnißvollen Blick wech⸗ elten.

Die Sache rührte ihn indeß nicht, und er nahm ſie ſich weiter nicht zu Gemüth, ſondern näherte ſich dem Kranken.

Unbeweglich und ſtill betrachtete er ihn. Es war Jeſpersſons Gewobnheit, nie ein Wort zu ſagen, wenn er einen Patienten vor ſich hatte. Man ſagt, das Genie eines Arztes liege in ſeinem Blick. Dieß war auch die einzige Sonde, die Jeſpersſon zu gebrauchen. pflegte, wenn er einen Kranken unterſuchte; aber das genügte ihm nicht.

Je länger er den Gefangenen betrachtete, um ſo verwunderter wurde er.

Das ſtelettartige, vom Elend des Lebens ſo entſetz⸗ lich verheerte Geſicht beſaß ja etwas, was er ſchon zu⸗ vor geſehen zu haben meinte.

Jeſperſons Augen wurden immer ſchärfer. Er wußte nicht, wo in dem erinnerungsreichen Lexfkon ſeines Le⸗ bens er die Umriſſe dieſes Mannes ſuchen ſollte, und dennoch überzeugte er ſich immer mehr, daß er ihn ſchon zuvor geſehen hatte; aber wo? Im nördlichen oder ſüd⸗ lichen Polarcirkel, ſoviel wußte er gewiß, aber damit war ſein Wiſſen auch aus..

Schlaugengras hatte inzwiſchen den Schnaps einge⸗ ſchenkt und brachte ihn dem Gefangenen.

Dieſer, der das Glas nicht annehmen konnte, weil ſeine Hände gefeſſelt waren, bückte ſich vor, damit der Junge ihm den Branntwein an den Mund halten ſollte. Aber als Schlangengras, der ſogleich ſeine Meinung be⸗ griff, das Glas richtete, um ſeinen Wunſch zu erfüllen, da machte Jeſpersſon gleichwohl eine Bewegung mit der

Hand gegen das Glas, ſo daß es dem Jungen aus der