Teil eines Werkes 
16. bis 21. Bändchen (1852)
Entstehung
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Herzens, wenn er jetzt über die Grenze des Lebens, über den Horizont der Gegenwart hinausblickte, nicht ſo genoſſen haben würde, wie er that, wenn er nicht vorher ſo ge⸗ kämpft und gelitten, vielleicht auch ſo gehaßt hätte, wie er gethan. In ſeinem Charakter berührten ſich die Extreme: er hatte gehaßt... er konnte auch verzeihen und vergeſſen.

Alllerdings war es ſeine Rachſucht geweſen, welche ſeine Bekanntſchaft mit Zamparelli herbeigeführt und ihn veranlaßt hatte, deſſen Namen zu borgen, weil er eines ſolchen Talismans bedurfte, um ſich bei den Laz⸗ zaroni der Stadt den nöthigen Einfluß zu verſchaffen; aber juſt dieſe Bekanntſchaft eröffnete ihm jetzt auch die Gelegenheit, am Fuß eines koſtbaren Heiligenbildes, worin ſich auf eine ſo glückliche Art das Theuerſte, was die Erde für ihn beſeſſen, mit dem Schönſten verſchmolz, was der Himmel ihm verheißen konnte, in ſeinem Her⸗ zen gleichſam zu ſterben für die Vergangenheit und wieder aufzuleben für eine Zukunft, zu ſterben für das Leben und aufzuleben im Tode. 1b

Und die Grundzüge des Bildes gehörten in Wirk⸗ lichkeit Wanja an. Louiſe hatte während der Ausfüh⸗ rung die Schönheit deſſelben aus ihrer eigenen Phan⸗ taſte, ſeinen Heiligenſchimmer aus ihrem reinen und warmen Herzen, und ſeine Vollendung aus der Tiefe ihrer Seele geborgt. Es mußte ergreifend wirken, weil es eines ſeiner Meiſterſtücke war, die einer lebendi en Inſpiration, einem warm fühlenden Genius ihr Daſein zu verdanken haben.

An der Hand der Kunſt und der Liebe wurde er zum Altar der Religion gefuͤhrt, und hier lernte er erſt den Werth der Reſignation verſtehen, die Wanja gezeigt hatte, als ſie ſich aus leicht erklärlichen Gründen ſogar nicht einmal von ihrer Mutterliebe hinreißen ließ, höhere Pflichten zu vergeſſen.

Er bewunderte dieſe Seelenſtärke und zu gleicher Zeit erwarb er ſie ſich ebenfalls.