Teil eines Werkes 
16. bis 21. Bändchen (1852)
Entstehung
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noch jeden Augenblick dieſe großartige Landſtrecke, dieſes Neapel bedroht, wo man eben jetzt lacht, ſingt, tanzt und an gar keine Gefahr denkt. Welcher Schein um die ſchalenartige Oeffnung! Welcher brennende Ofen mitten darin! Zuerſt tost der flammende Abgrund; dann wird mit einem ſchrecklichen Getöſe durch die in einem dicken Regen fallende Aſche hindurch ein ungeheures Kunſtfeuer von Millionen Funken, von Millionen Stei⸗ nen, die an ihrer ſchwarzen Farbe kenntlich ſind und ziſchend fallen und fortrollen, in die Luft heraufgeſchleu⸗ dert: ſiehe, da liegt einer hundert Schritte von mir. Der Abgrund ſchließt ſich plötzlich, er öffnet ſich wieder und wirft ein neues Feuer aus; inzwiſchen erhebt ſich die Lava über die Ränder der Schale, ſie ſpannt ſich aus, kocht, rinnt und durchfurcht in langen Feuerbächen die ſchwarzen Seiten des Berges. Welch eine Wüſtniß! welch Höhe! welch ein flammender Berg!

Vincenz bewunderte jedoch nicht, was er ſah, viel⸗ mehr erſchrack und entſetzte er ſich darüber.

Hätte man ihn einige Jahre früher an den Rand dieſes brennenden Abgrundes geführt, ſo würde er viel⸗ leicht, hingeriſſen von Bewunderung beim Anblick der mächtigen Elemente, deren wilde Raſerei hier ein ſo großartiges Gemälde bildete, auf die Kniee geſtürzt ſein; aber jetzt flößte ihm die unruhige, gewaltſame und raſt⸗ loſe Thätigkeit derſelben ein ganz anderes Gefühl ein, und er verſchloß es ſtill in ſich, gleich als fürchtete er ſeine eigenen Gedanken.

Sage mir, Cazal, iſt es nicht dennoch beſſer todt, als lebendig zu ſein!

Was meinen Sie, gnädiger Herr? Sie ſtarren ſo aufgeregt in die Tiefe hinab. Laſſen Sie uns von hier weggehen.

Vincenz bewegte ſich nicht vom Platze; er beugte:

bloß ſein Haupt immer mehr über den Krater hinab. Seine Miene war bleich und verſtört.