Teil eines Werkes 
11. bis 15. Bändchen (1852)
Entstehung
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blaß wie eine Leiche. Das Feuer war aus ihren Augen geflohen und die Kraft aus ihren Gliedern. Sie bebte . aber gleichwohl ſtand ſie noch. 1

Es gibt Augenblicke, wo das Herz gleich einer ſtehen gebliebenen Uhr nicht mehr ſchlägt, und wo der Gedanke gleich einem unbeweglichen Zeiger nur auf einen einzigen Punkt deutet, für alles Andere gleichſam erſtorben.

Fräulein Rudenſköld befand ſich in einem ſolchen Zuſtand.

Sie haben ein kühnes Spiel geſpielt, mein Fräu⸗ lein, begann der Herzog wieder, ein vermeſſenes Spiel. Unter einer einnehmenden Maske haben Sie die Auf⸗ rührerin verborgen. Sie haben die Rolle der Marionette angenommen, in der Hoffnung, daß Niemand die Fä⸗ den ſehen würde, die Ihre Bewegung leiteten. Sie haben ſich getäuſcht. Einer heftigen Leidenſchaft anheim⸗ gefallen, haben Sie ſich blindlings dem unſichern Fluge derſelben überlaſſen und ſtehen jetzt im Begriff als ihr Opfer zu fallen. Das Verbrechen erheiſcht Rache.

Fraulein Rudenſköld war in dieſem Augenblick Weib. Zermalmt ſank ſie zu den Füßen des Herzogs nieder.

Gnade, Euer Hoheit, Gnade!

Auch ich habe zu Ihren Füßen gelegen und Sie um Gnade gebeten.

Gnade, Gnade!

Der Herzog lächelte.

Wo iſt jetzt Ihr Muth, mein Fräulein? jetzt da die Strafe in ihrer ganzen nackten Wahrheit vor Sie tritt, beugt ſich Ihr ſonſt ſo ſtolzes Haupt in den Staub, jetzt flehen Sie mich an, obſchon Sie über mich hätten befehlen können. Das Verbrechen hat ſein Ge⸗ wiſſen, die Strafe ihr Entſetzen. Das begreifen Sie, aber nicht meine Liebe. Warum ſoll das Verbrechen mächtiger ſein, als die Liebe? Das Gewiſſen ſpuckt, mein Fraulein.

BKBB