Teil eines Werkes 
11. bis 15. Bändchen (1852)
Entstehung
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als in dieſem Augenblick. Ihre Schönheit wurde von einer ſanften Begeiſterung erhöht.

Ein Kind, ſagen Sie?

Ach warum können wir nicht immer Kinder bleiben! Nur ſo lange wir nichts begreifen, intereſſirt uns Alles. Ein Vogel auf dem Baum, eine Blume im Park, wie lieblich und hübſch! Aber die Jahre und die Convenienz kommen mit ihrem Käfig und ihrem Blumentopf, und die Freiheit des Vogels und die Schönheit der Blume, wo ſind ſie?

Der Herzog betrachtete ſie bloß.

Ah, wenn ich eine Blume wäre!

Sie neigte ihr Haupt in ihre Hand hinab und blieb ſtill, gleich als dächte ſte an etwas.

und, fügte ſie nach einer Weile hinzu, die Blätter dieſer Blume müßten kleine, kleine Flügel ſein. Ah, ich würde in der Natur umherſchwärmen, mein Herz in der blauen Luft baden und die köſtlichen Düfte einathmen.

Sie ſchloß ihre Augen und überließ ſich gänzlich ihrer Schihatmeret hr ſief

Ich flöge, fuhr ſie fort, flöge nach...

Wohin, wohin? 4

Nach Neapel zu ſeinem ewigen Frühling, in das Land der Pomeranzen und Anemonen. Wie ſchön muß es da ſein!

Der Herzog gab mit einem Achſelzucken das un⸗ behagliche Gefühl zu erkennen, das er empfand; er dachte an Armfelt, der ſich dort aufhielt.

Nach Neapel?

An Virgil's Grab! Die Schönheit der Natur beweist ja dort, daß ſie üͤber dem Herzen eines Dichters blüht. Wie würde ich mich wohl fühlen unter Palmen, Lorbeeren und Oliven!

Es war dem Herzog nicht länger möglich, ſeinem Entzücken zu widerſtehen; er hatte zu tief in ihre Seele geblickt und ſich zu ſehr dem Zauber des poetiſchen