Teil eines Werkes 
11. bis 15. Bändchen (1852)
Entstehung
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wenn... merken Sie ſich, Ew. Hoheit, ich ſage, wenn... wenn meine Handlung irgend wie als edel⸗ müthig betitelt werden könnte, ſo werden mich wohl Ew. Hoheit des Schönſten darin, nämlich des Opfers nicht berauben wollen. Es gibt ſo wenig edle Hand⸗ lungen, die der Menſch ſich anrechnen kann, daß er durchaus keine verlieren darf.

Sie lehnen alſo mein Anerbieten ab?

Ja, Ew. Hoheit.

Sie beharren auf Ihrem Opfer und wollen es ungetheilt für Ihre eigene Rechnung haben?

Ich wünſche das.

Und ich billige es; aber haben Sie die Güte und leihen Sie mir auf einen Augenblick Dinte, Feder und Papier.

Fraͤulein Rudenſköld wunderte ſich über das Ver⸗ langen des Herzogs, weil ſie nicht einſehen konnte, was er wohl um dieſe Stunde mit Schreibmaterialien machen wollte, aber ſie erfüllte ſeinen Wunſch, und nun ſchrieb der Herzog einige Zeilen, die er mit ſeinem Namen unterzeichnete.

Sie haben mich die Briefe Ihrer Mutter leſen laſſen, ich muß Sie jetzt auch etwas leſen laſſen. Haben Sie die Güte, dieß zu leſen.

Zu ihrer Ueberraſchung fand ſie, daß das Schreiben ein Penſionsdekret war, worin der Herzog ſich ver⸗ pflichtete, ihr aus ſeiner Handkaſſe jährlich zweitauſend Reichsthaler ausbezahlen zu laſſen. Das Schreiben war ſechs Monate zurückdatirt. 3

Che ſie ſich von ihrer Ueberraſchung erholte, hatte der Herzog die Hälſte der Summe auf den Tiſch gezählt. Fräulein Rudenſköld äußert ſich in ihren Memoiren folgendermaßen darüber:

Meine Betroffenheit war groß. Dieſe Wohlthat anzunehmen, während ich Armfelt's Plan kannte, die Minderjährigkeit zu verkürzen, folglich die Zeit der Gewalt des Herzogs zu verringern, das erſchien mir