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und ſie übergab ihm die hervorgeholten Briefe, die nämlich von ihrer eigenen Mutter geſchrieben waren.
In dem erſteren klagte die Reichsräthin Rudenſköld über ihren Geldmangel und die Schwierigkeit, die Haus⸗ miethe zu bezahlen. In den ſpätern dankte ſie ihrer Tochter für das Anerbieten, durch den Verkauf ihrer Juwelen dem Mangel abzuhelfen. Im letzten Briefe wurde dieß Anerbieten angenommen, mit der Bitte, daß Bengt die Sache abmachen ſolle.
Die Briefe waren mit mütterlicher Liebe und Innig⸗ keit geſchrieben; ſie deckten ein delikates Familienver⸗ hältniß auf eine rührende Weiſe auf.
Als der Herzog ſie geleſen hatte, fühlte er ſich aufgeregt.
— Ich habe Sie beleidigt, ich habe Sie ſchwer beleidigt... können Sie mir verzeihen?
— Ich verzeihe Ihnen, Ew. Hoheit, flüſterte ſie.
Die ungerechte Beſchuldigung war ihr ſehr nahe gegangen, und ſie war niedergeſchlagen und muthlos.
— Mein Fräulein, ich muß meine Ungerechtigkeit wieder gut machen; ich werde Ihre Juwelen einloſen. Ihr Vater hat ſich um das Vaterland verdient gemacht; deßhalb ſollen Sie Ihre Juwelen nicht zu veräußern brauchen, um für Ihre Mutter zu ſorgen. Wenn auch der Staat für Sie beide nichts hat, ſo habe ich etwas. Eine verehrungswürdige Mutter und eine edle Tochter brauchen nicht Noth zu leiden, ſo lange ich regiere. Laſſen Sie mich die Summe wiſſen, ſo werde ich ſie Ihnen morgen ſchicken. 1
Fräulein Rudenſköld, die nur eine kurze Weile herabgeſtimmt und leidend geweſen war, erhob ihre Augen wieder zu dem Herzog.
Ihr Stolz kehrte zurück.
— Jedes Weib, Ew. Hoheit, würde ſo gehandelt haben wie ich. Jede Tochter thut bloß ihre Pflicht, wenn ſie einer bedrückten Mutter hilft. Ich habe auch nichts Anderes gethan. Ich kann deßhalb meine Hand⸗ lung nicht ſo ſchätzen, wie Sie zu thun geruhen; aber
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