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— Allerdings, mein Fräulein, aber es macht Ihrem Verſtand und, ich gehe noch weiter, auch Ihrem Unter⸗ thanenpflichtgefühl keine Ehre.
Der Herzog hatte gehofft, daß ſie den Verkauf wenigſtens leugnen würde. Ihr Eingeſtändniß und be⸗ ſonders die Art, wie ſie die Sache zugab, reizte ihn noch mehr. 3
— Ew. Hoheit, ich verſtehe Sie nicht. Wie könnte es meinem Pflichtgefühl als Unterthanin Unehre machen, daß ich meine Juwelen verkauft habe? Ich geſtehe, Ew. Hoheit, daß Ihre Bemerkung ein Räthſel iſt, das ich nicht zu löſen vermag.
— Mein Fraäulein! ſagte der Herzog bloß, aber er hob dabei die Hand, nicht um ihr zu drohen, ſondern um ſeinen Worten ein erhöhtes Gewicht zu geben. Dieſe zwei Worte waren nebſt der Handbewegung ſo
vorwurfsvoll, daß Fräulein Rudenſköld ein tiefes und
ſchmerzliches Gefühl empfand.
— Meine Juwelen verkauft, wiederholte ſie. Aller⸗
dings... aber... aber... ich möchte wiſſen, wer mir das verwehren könnte 2
Der Herzog hatte erwartet, daß ſie ſogleich voll Angſt flehend zu ſeinen Füßen ſinken und wie eine büßende Magdalena an ſeine Barmherzigkeit appelliren würde. Der Stolz, womit ſie ihm begegnete, verdroß ihn nicht bloß, ſondern verhärtete ihn auch gegen ihren Liebreiz.
— Sie ſehen, daß Sie entdeckt ſind, mein Fräu⸗ lein, alſo... keine Verſtellung mehr. Wenn die Maske abgenommen iſt, ſo iſt die Maskerade zu Ende. b
— Wenn ein unterthan jemals berechtigt iſt, einen Fürſten zu fragen, warum er beleidigt; wenn es je einem Weibe erlaubt ſein kann, einen Mann zu fragen, wie er ihre Ehre verletzen kann, ſo wage ich dieſe zwei Fragen an Ew. Hoheit zu richten.
— Und der Fürſt antwortet, daß Sie Ihre Juwelen verkauft haben, um für einen Aufrührer Anhänger zu
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