Teil eines Werkes 
11. bis 15. Bändchen (1852)
Entstehung
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Träume der lebhafteſten Einbildungskraft zu übertreffen vermag. Hier hat die begabteſte Phantaſie in der Wirk⸗ lichkeit ihren Meiſter gefunden.

Harmoniſche Töne nahten in dieſem Augenblick dem Ohr des jungen Mannes. In den leichten, heiteren, ſchnell wechſelnden, bald lieblich milden, bald kräftigen und mächtig ergreifenden Tönen ſchien Alles um ihn her Stimme gewonnen und ſich zu einer Melodie ver⸗ ſchmolzen zu haben. 4

In jeder Woge brach ſich ein Strahl. Er glänzte wie eine Muſchel, aus welcher ein Juwel hervorblitzt.

Das Meer war ein mit Juwelen überſtreutes Feld.

Und auf dieſem funkelnden, lebendigen Waſſer, welche Bewegung, welches Leben! Dort flog ein Boot mit purpurfarbigen Segeln hin, in ſeinem Schooß eine neu⸗ geborne Liebe tragend, die aus dunkeln Augen ſtrahlte und von friſchen Lippen glühte. Das Boot ſelbſt ſchien ſich an ſeiner Laſt zu erfreuen. Hier tanzte ein anderes Fahrzeug, mit Blumen und Guirlanden geſchmückt, gleich einem der Flora geweihten Tempel. Weiterhin ſchießt ein drittes über die Woge, mit bunten flatternden Wimpeln behängt, die mit den Winden zu flüſtern, mit den Wo⸗ gen zu ſeußzen ſcheinen.

Unſer Reiſender glaubte, daß ein Feſt, ein fröhli⸗ ches Nationalfeſt, ein Feſt für ganz Neapel gefeiert werde; aber es war gleichwohl nicht ſo. Das Leben in Neapel iſt ein beſtändiges Feſt, jeder Tag iſt ein Sonntag. 4

Lange ſpähte er unter den wimmelnden Booten hin, von denen die Muſik kam.

Bald ſchoß eine kleine Spielyacht, größer als die übri⸗ gen, vor. Ihre hohen, buchtigen Segel beſaßen die leichte Farbe einer kaum erſt aufgegangenen Roſe, dieſe Farbe, die eine ſchöne Ahnung des Purpurs iſt, ohne gleichwohl ſelbſt Purpur zu ſein. Auf dem Hintertheil war ein Zelt von derſelben Farbe ausgeſpannt. Die in Feſtons aufgebundenen Vorhänge waren mit goldenen Franſen