Zweites Kapitel. Alm und Forſter.
— Sage Alm, daß ich ihn ſprechen wolle.
Alm trat ein. 3
Er ſah mager und bleich, beinahe abgezehrt aus. Obſchon er ſein ganzes Leben hindurch das Glück mit derſelben heißhungrigen Energie geſucht hatte, als gälte es, ſich ein einziges Mal ſatt zu eſſen, und obſchon er es mehrere Male bereits am Rockzipfel zu halten ver⸗ meint hatte, ſo war er gleichwohl noch nicht von der Stelle gekommen.
Nach manchen Aufwartungen bei Reuterholm war er allerdings ſeit einiger Zeit als Copiſt von ihm ange⸗ nommen worden; aber dieß war ein ganz mageres Amt, zumal für einen Mann, der ſich mit ſo ausgezeichneten Eigenſchaften begabt glaubte, wie Alm. 4
Aber obſchon er zu verſchiedenen Malen zurückgeſetzt, beinah mit Verachtung behandelt worden war, ſo hatte gleichwohl die Hoffnung, dennoch einmal ſein Ziel zu erreichen, ihn nicht verlaſſen.
In einem ſchwarzen, ausnehmend gut gebürſteten, aber mehr als fadenſcheinigen Frack erblicken wir ihn jetzt wieder. Das weiße Halstuch war zwar nicht von heute, konnte aber dennoch ein weißes vorſtellen. Alm war in ſeiner Art wohlgeputzt.
Als er an der Thüre ſtehen blieb, warf er einen haſtigen Blick auf Reuterholm, der im Zimmer auf⸗ und abging. Alm glaubte Menſchenkenntniß zu beſitzen und wollte ſich orientiren.
— Sie ſind ein verſtändiger junger Mann, begann Reuterholm endlich. Obſchon ich nicht Zeit habe, an Alles zu denken, ſo erinnere ich mich doch, daß Sie mir verſchiedene kleine Dienſte geleiſtet haben.
Alm verbeugte ſich bloß, aber was er hörte, das


