Teil eines Werkes 
11. bis 15. Bändchen (1852)
Entstehung
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geſſen Sie gleichwohl nicht, daß Sie bloß ein ſchwaches Rohr ſind. Ich habe bisher gegen die kleinlichen Ver⸗ ſuche, meine Stellung zu erſchüttern, die ich Ihrerſeits wohl bemerkte, die Augen zugedrückt; jetzt kenne ich Sie, nehmen Sie ſich in Acht. Sie haben mich überliſtet, aber nicht beſiegt; Sie haben mich überrumpelt, aber Sie vermögen die Wahlſtätte nicht zu behaupten. Wenn Sie mich gut genug zu kennen glauben, um mit mir ſpielen zu dürfen, ſo täuſchen Sie ſich: noch kennen Sie bloß meine artigſte Seite. Mein Fräulein, Sie haben in meine Pläne hineingeſchaut, ich aber auch in die Ihrigen... nehmen Sie ſich in Acht. Ich bin kein Hofmann, aber ich bin zu ſtolz, um Sie nicht zu war⸗ nen. Sie ſind von dieſem Augenblick an mein Feind... ſehen Sie zu, daß Sie nicht fallen.

Ohne die mindeſte Veränderung in ihrer Miene hörte Fräulein Rudenſköld dieſe bittere Erklärung Reu⸗ terholm's an. Sie ging ſo ſchien es gänzlich für ſie verloren. Aber um ſo mehr zog der Ausdruck in Reuterholm's Geſicht ihre Aufmerkſamkeit an. In den Worten, die er äußerte, war die Leidenſchaft großentheils unterdrückt; um ſo drohender und gewaltſamer dagegen regte ſich das Muskelſpiel der Augen und der Stirne. Durch den Wald der kleinen Fibern im ganzen Geſicht ſchien ein wilder Sturm zu brauſen, in des Auges blauem Kryſtallhimmel rollte eine Donnerwolke und fun⸗ kelte ein Blitz; des Mundes Roſe wurde von zitterndem Unmuth gebleicht. Dieſe Abſpiegelungen des Vulkans in ſeinem Herzen nahmen ihre ganze Aufmerkſamkeit in Anſpruch. Sie ſah darin nicht das, was er ausſprach, und daran dachte Sie gar nicht, aber ſie meinte einen Abgrund zu ſehen, in deſſen offener Tiefe ſchwarze Gei⸗ ſter ihre wilde Jagd hielten. Dieß war für ſie ein ganz neues Schauſpiel, über das ſie ſich nur entſetzen konnte. Sie kehrte ihm auch bald den Rücken, ohne zu wiſſen, ob er ſie angeredet hatte oder nicht.