Teil eines Werkes 
11. bis 15. Bändchen (1852)
Entstehung
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Die Liebe..

Die Schande, meinen Sie. 3

Iſt das einzige Band, womit man ein geiſt⸗ reiches Weib feſſeln kann: ohne dieſes Band iſt ſie eine ewig fortgeſetzte Laune. Sie bedenken ſich..

Fräulein Rudenſföld glaubte, bei einem Seiten⸗ blick auf Ehrenſtröm, zu bemerken, daß die Herren Aerzte mit ihren Beobachtungen ſo ziemlich zu Ende waren: es war alſo der Augenblick gekommen, ſich in ihrem wahren Lichte zu zeigen.

Sie verlangen doch eine Antwort, Herr Baron?

Allerdings.

So hören Sie mich an. Kein Verdruß kann zu heftig, kein Zorn zu bitter, keine Verachtung zu tief und kein Abſcheu zu lebhaft ſein, als daß ich nicht Ihre Beleidigung damit zurückweiſen ſollte. Wäre ich ein Mann, ſo würde der Schimpf, den Sie mir zugedacht haben, Ihr Tod werden. Bisher habe ich keine Ürſache gehabt, mich darüber zu grämen, daß ich bloß ein Weib bin, jetzt werde ich dieß mein ganzes Leben hindurch beklagen. Meine Worte erregen bei Ihnen Verdruß, vielleicht Rachgier... mag ſein... Ihr Haß iſt mir angenehmer, als Ihre Liebe.

Der Verdruß gab ihrem Weſen einen Ausdruck

des Stolzes, der noch zermalmender war, als die Worte, deren ſie ſich bediente. Reuterholm war von ſeinen Begriffen über ſeine eigene Perſönlichkeit zu ſehr berauſcht, als daß ihm je der Gedanke gekommen wäre, Fräulein Rudenſköld könnte ſein Anerbieten abſchlagen. Die Macht beſaß für ihn eine ſo magnetiſche Kraft, daß ſeiner Meinung nach Alles vor ihr weichen mußte. Die Antwort des Fräu⸗ leins ſetzte ihn daher zuerſt in Erſtaunen, bald aber ſprühte der Zorn funkelnd in ſeinen Augen.

Fräulein Rudenſköld wollte ſich entfernen, aber er bat ſie, noch zu bleiben. Während er ſie dabei betrach⸗

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