bei der Menge von Schlupfwinkeln, die ſie haben, ver gebens zu ermitteln ſucht, welche Farbe ſie eigentlic tragen. Ich kann Sie verſichern, daß auch ich einma an Ehre und Redlichkeit geglaubt habe, aber ich hab⸗ gefunden, daß ſie bloß Aushängeſchilder ſind, wom man die Leute anlocken will, um ſie zu betrügen; deß⸗ halb glaube ich juſt an Niemand mehr, manchmal ſoga kaum an mich ſelbſt.
— Da Sie an Niemand glauben, ſo iſt ja ein politiſcher Bund zwiſchen uns unmöglich.
— Sagen Sie das nicht. Es gibt wirklich Mittel um vollkommen von einander abhängig zu werden.
— Und dieſe Mittel ſind?
Mit innerem Grauen ſetzte Fräulein Rudenſköld das Geſpräch fort, aber ſie glaubte, daß die Anderl noch einiger Zeit bedürften. Es kam ihr vor, als ob ſit, während Reuterholm ſprach, Schritt für Schritt einen Abgrund ſich näherte.—
— Und das Mittel beſteht darin... daß man die Chre von einander in ſeiner Gewalt hat... Sie ver⸗ ſtehen doch... die Eher von einander...
— Herr Baron...
— Sie müſſen... Reuterholm ſtreckte ſeine Hand egen ſie aus.. Sie müſſen mich lieben, mein Fräu⸗ ein.
Wie von einer giftigen Schlange geſtochen, zog ſit ſich zurück, mit einem lick, der ſo viel Abſcheu aus⸗ dechte daß Reuterholm ganz ſtutzig wurde.
— Sie ſprechen, glaube ich, von Liebe, mein Baron.
— An des Herzogs Seite, mein Fräulein, witd niemals, das ſchwöre ich Ihnen, niemals irgend eine Perſon einen wichtigen Platz einnehmen, wenn ſie nicht zuvor mein Werkzeug geworden iſt.
— Ihre Creatur, wollen Sie ſagen.
Es war Fräulein Rudenſköld unmöglich, ihren Un⸗ willen gegen ihn länger zu bekämpfen und die Rolle einer artigen Hofdame fortzuſpielen.


