Teil eines Werkes 
11. bis 15. Bändchen (1852)
Entstehung
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andere in ſich begreift, weil es die Ausſicht auf dieſel⸗ ben eröffnet.

Und dieſes Verbrechen iſt? 4

Das iſt das Verbrechen gegen unſere Liebe. Was der Staat als Verbrechen ſtempelt, iſt nicht im⸗ mer verbrecheriſch; nur das iſt Verbrechen, was vor Gott verbrecheriſch iſt. 1

Sie berufen ſich auf einen Richterſtuhl, der jenſeits der gewöhnlichen Kreiſe der Geſellſchaft liegt; da gibt es keine Advokaten, mein Fräulein. Ich ſchweige alſo..

Wie heißt des Mannes ſchönſte Tugend? mein Herr?

Vaterlandsliebe.

Wenn Sie darin Recht haben, ſo iſt auch der Unterſchied zwiſchen dem Mann und dem Weib leicht einzuſehen.

Wie ſo? 1

Er lebt für das Allgemeine, für eine Idee, eine Welt; das Weib lebt für den Mann, für das Einzelne. Er ſoll durch die Schwierigkeiten des Lebens Bahn brechen und das Gluͤck der höheren Siege des Geiſtes auf Erden genießen; ſie ſoll ihn anfeuern, ihn beleben und den Blumenduft ſeiner Chre genießen. Nun wohl, ſehen Sie jetzt nicht ein, worin des Weibes ſchönſte Tugend beſteht?

Sie überraſchen mich.

Ich ſpreche nicht von den Geſetzen des Staats, ich ſpreche von denen der Natur, von Gottes eigenen Geſetzen. Der Staat kann zwei Perſonen ehelich an einander binden, aber nur unſere Herzen können ſie in Liebe vereinen. Und die Liebe iſt Gottes erſtes Geſetz.

Sie meinen alſo, daß die Liebe die erſte Tugend des Weibes ſei.

Das nicht. Die Liebe iſt ein Geſetz, ein Na⸗ turgeſetz, ſie iſt keine Tugend.

Und worin beſteht denn ihre erſte Tugend?