Sie that ſich hier Einhalt und blickte fragend Ehrenſtröm an.
— Sollten Sie etwa meinen... fragte ſie, und ein Ausdruck des größten Schrecks zeigte ſich dabei auf ihrem Geſichte.
— Sie verſtehen, was ich meine, Fräulein, und das genügt vollkommen.
— Mein Gott, iſt denn das Weib nur dazu ge⸗ boren, um von den Leidenſchaften der Männer zerfleiſcht zu werden? Hat ſie nicht das Recht, wenigſtens in ihrem eigenen Herzen eine Freiſtätte für ihre Gefühle zu beſitzen? Kann man ihr die Verpflichtung auferlegen, auch das Einzige, was ſie wirklich beſitzt, ihre Liebe, auf dem Altar des gemeinen Egoismus zu opfern? Iſt ſie verbunden, ihre Ehre, ihr Herz, ihr Gewiſſen ſolchen Forderungen preiszugeben, die ihren heiligſten Begriffen auf eine verletzende Art Gewalt anthun? Unmöglich. Ich habe geliebt und ich liebe noch jetzt. Iſt meine Liebe ein Verbrechen geweſen oder eine Tugend? Ich weiß es nicht. Im Himmel beſitze ich einen Gott, auf Erden eine Liebe. Mit unzerreißbaren Banden bin ich an Armfelt's Partei feſtgeknüpft, ich gehöre ihr ſo treu an wie die Blume dem Thal angehört und die Hoffnung dem Herzen; denn dieſe Partei ſpricht mit ſeiner Stimme zu mir, ſie leitet mich mit ſeiner Hand, ſie führt mich mit ſeinen Augen und umſchließt mich mit ſeinen Armen. Sollte ich jedoch ihn um ſeiner Sache willen betrügen, die Liebe vergeſſen und ſeine ehrgeizigen Pläne anbeten? Niemals.„Seine Partei iſt mir lieb, aber er ſelbſt iſt mir noch lieber. Die Liebe kann Alles opfern, nur nicht ihre Liebe.
— Nur diejenige Perſon, die den Herzog beherrſcht, antwortete Ehrenſtröm, beherrſcht auch Schweden. Reu⸗ terholm wird über uns ſiegen, ſo lange er den Regen⸗ ten in ſeiner Gewalt hat. Armfelt's Geſandtſchafts⸗ poſten an den italieniſchen Höfen iſt nichts Anderes, als ein Landesverweiſung. Wenn er einmal fort iſt,


