eigenen Zeit eine ähnliche Unſterblichkeit erhalten werden, dagegen proteſtirt gewiß oft genug unſere eigene Zeit, aber gleichwohl ohne zu wiſſen, was künftige Genera⸗ tionen davon zu ſagen haben. Es ſind nämlich nicht bloß unſere Staatstheorien, ſondern auch die ſchöne Lite⸗ ratur jetzt beſtrebt, einen neuen Staat, eine neue Kirche und eine neue Kunſt zu begründen. In wieweit jeder Einzelne in dieſer Beziehung richtig oder unrichtig ar⸗ beitet, dieß zu beurtheilen iſt kein Lebendiger unpar⸗ teiiſch genug. Es gehört einer künftigen Zeit an, der Zeit, wo das Gebäude fertig iſt und der Hiſtoriker rück⸗ blickend in Ruhe ſeine Schlüſſe ziehen darf.
Wenn man ſich vergegenwärtigt, wie unſere älteren Meiſter den Genius der Kunſt ſich dachten und ihn in ihren Arbeiten ausbildeten, ſo ſteht er noch heutigen Tages vor unſerem Blick wie eine antike Statue, eine Minerva pacifera oder eine Venus Urania, in vollſtän⸗ diger Harmonie und ruhiger Größe auf denmt Piedeſtal. der Kunſttheorien. Ganz anders verhält es ſich jetzt. Das Marmorbild ſteht nicht mehr auf dem Fußgeſtell.
Es hat Leben bekommen, es iſt davon herabgeſtiegen, es handelt und ſpricht, ſingt und tanzt, liebt und lei⸗ det, lebt und intriguirt mitten unter uns. Es iſt mit⸗ unter eine Jenny Lind, zuweilen eine Taglioni, auch eine Dudevant, manchmal ſogar eine einfache Marien⸗ blume, aber einnehmend, überraſchend, hinreißend, beinahe bezaubernd auch in ſeinen Unregelmäßigkeiten und Fehlern, weil das, was man am Adel der Formen 5 vermißt, dadurch erſetzt wird, daß wir uns ſelbſt in dem 5 ganzen Produkt wieder erkennen. f
Solcher Art iſt die Kunſt jetzt.
Aber wenn auch die Kunſt lebendig mitten unter das Volk getreten iſt, um bei ihr ihre Nahrüung zu ſuchen und ihren Wirkungskreis zu erweitern, ſo geht zu gleicher Zeit auch die Kritik in die Hände deſſelben über. Wenn deßhalb die Kritik ſich vorſtellt, daß ſie noch dieſelbe ſei wie fruͤher, nachdem die Kunſt ſelbſt


