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Die Zeit reißt ſie, wie alles Andere, mit ſich. Sie gehören ihrer Generation an und müſſen für ſie arbei⸗ ten. Das Volk kennt wenig oder nichts von der Welt der Ideen, aber es kennt um ſo beſſer die Wirklichkeit, und dieſe bleibt niemals in einer gewiſſen Form ſtehen. In der Natur und in dem einfachen Menſchenherzen ver⸗ ändern ſich die Bedingungen und der Ausdruck des Le⸗ bens beſtändig, ohne daß deßhalb das Leben ſelbſt, das Göttliche in beiden, ſich verändert. Sie find es auch, die jetzt ihre Geſetze dem Genie und Geſchmack vor⸗ ſchreiben, welche ihrerſeits dieſelben eigentlich bloß ab⸗ ſchreiben und unterzeichnen. Früher konnte man von dem Menſchen ſagen, er ſuche das Genie und den Ge⸗ ſchmack auf; jetzt ſind ſie es, die den Menſchen ſuchen, und ſie finden ihn nicht unter den Theorien, ſondern im Leben, in der Natur. Die Kunſt umfaßt nicht bloß die Paläſte, ſondern auch den Markt und die Straßen. Raſtlos ſtrebt Alles vorwärts, lebt und ſtirbt, um wie⸗ der aufzuleben. Ein endloſer Wettkampf geht durch die Welt. Man fordert beſtändig, daß etwas Neues ge⸗ ſchehen ſoll, und der Tag, wo nichts geſchehen iſt, gilt für einen verſäumten Tag. Man vervielfacht ſich unauf⸗ hörlich, ohne gleichwohl aus einander zu fallen. Die Weisheit will nicht mehr bloß Theorie fein, ſondern Praxis. Das Talent verſchließt ſich nicht in die Bibliotheken, ſondern geht als Apoſtel hinaus. Der Schreibtiſch iſt, um mich ſo auszudrücken, ein Schlachtfeld geworden, und die Feder eine geladene Muskete. Berühmtheit iſt Popularität geworden, und die Schriftſteller ſind Krie⸗ ger, die in den Reihen der Menſchheit kämpfen.
Die allgemeine, ſowohl politiſche als moraliſche Muße, welche die Schriftſteller fruͤher beſaßen, iſt in unſern Tagen verſchwunden; ob für immer, das weiß Niemand. Aber was man weiß, iſt, daß die Arbeiten, die dieſer Friede mit der Welt hinterlaſſen, von ſpäten Zeiten und auch von den unſrigen die Unſterblichkeit erhalten
haben. Inwiefern auf dieſelbe Art die Produkte unſerer 1


