einer Frau durch die innigſte Liebe an die Erde gebunden, und doch ſtark in ihrem Chriſtenglauben, ohne Schrecken vor
phirend über die Schwäche ihrer Natur und noch im Stande, dem ſtärkern Gatten Muth einzuſprechen, ihm Lehren des Troſtes und der Ergebung in den göttlichen Willen zu erthei⸗ len, ihm den Weg zu zeigen, welchen er in ſeinem künftigen Leben gehen ſollte, und ihm durch das eigene Beiſpiel weiſend, wie man auf den Tod vorbereitet ſein müſſe!
Nur wenige Tage noch friſtete Roſa das zuckende, ver⸗ glimmende Leben; noch einige Tage waren ihr vergönnt, be⸗ vor die Lampe erloſch, die ſilberne Saite barſt, das goldene Gefäß bei der Quelle zerbrochen wurde! Ein Brief von ihrem Vater traf noch ein, welcher ihr vollkommene Verzeihung ge⸗ währte, die äußerſte Liebe und Beſorgniß und Zärtlichkeit athmete, und worin der Oberſt verſprach, er werde, ſobald ſeine geſchwächte Geſundheit ihm das Reiſen erlaube, nach Florenz eilen, um ſie zu beſuchen. Dr. Wyß hatte Roſa's Sache ſo wirkſam geführt und ſo energiſch auf das Herz des Vaters eingewirkt, welches bisher ſo ſchroff und unnachgiebig gegen das ungehorſame Kind geweſen war, daß der alte Oberſt allen Groll von der Seele geworfen hatte und wie umgewandelt er⸗ ſchien. Sogar ihre letzte Bitte hatte der Vater noch erfüllt: er ſprach ohne Zorn und ſogar in wohlwollenden Ausdrücken von Herbert, und verſprach Roſa, ihr Hans, ihr goldgelocktes Söhnchen, ſolle die Freude ſeines eigenen Alters ſein und ſein Liebling um ihretwillen werden. Und dann, als ob die Ge⸗ fühle, die er ſo lange unterdrückt hatte, durch dieſen Zwang und dieſes Niederdrücken nur um ſo ſtärkere Innigkeit gewon⸗ nen hätten, erging ſich Herr v. Vierland in Ausdrücken der


