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und zum tröſtlichen Glauben eines wahren Chalſten zurückzu⸗ kehren.“
Sie hielt noch einmal inne, richtete ſich auf ihrem Kiſſen auf und verſuchte die Hände zu trennen, womit er noch immer ſeine Augen bedeckt hielt; ſie bemühte ſich, den Paroxismus von Kummer und Schmerz zu beſchwichtigen, deſſen er nicht Herr werden konnte. Die edle, reine Frau wollte ihn noch im Tode gewinnen für eine ewige, unendliche Liebe, die Grab und Tod überdauerte!
Plötzlich leuchtete ein Lächeln auf ihrem abgemagerten Geſichte auf, als einige leiſe geflüſterte, gebrochene Worte an ihr Ohr ſchlugen, und ein Ausdruck unausſprechlicher Inbrunſt und Andacht verklärte ihr mattes Auge. Es war ihr, als ob ihre Thränen und flehentlichen Bitten plötzlich durch den großen Vermittler im Himmel in Erfüllung gegangen ſeien, als ob ihre jahrelange Hoffnung nun verwirklicht würde. Demüthig, gebrochen, wie ein Kind, flüſterte nämlich Herbert:„Roſa, bete für mich! bete mit mir!“
Und ſie betete. Die Stimme der Sterbenden unterbrach die Stille der Nacht, als ihre ſchwachen Laute zum Throne der ewigen Gnade emporſtiegen. Es war, als ob ſich die Engel gefreut hätten über das ſchwache Stammeln des reuigen Man⸗ nes, als ob ſie mit ihren Harfen eingefallen wären in heiligen Jubel, weil die Seufzer eines zerſchlagenen Herzens dieſe flehentliche Bitte begleiteten!
Es war ein tief ergreifender Anblick, der auch den kälteſten Religionsverächter gerührt haben würde und ihm eine Ahnung eingegeben hätte von der mächtigen Gewalt der Religion. Dieſe Frau, auf dem Schmerzenslager ausgeſtreckt, von wel⸗ chem ſie nicht mehr erſtehen ſollte, mit der ganzen Zärtlichkeit


