Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
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der Welt und ihren Freuden abgeſtorbenen Perſon, wie Roſa, die er jetzt wie eine Heilige verehrte, nur als eine Entweihung erſchienen. Er blieb daher allein allein in der eitlen Be⸗ mühung, die Aſche der Gluth wieder anzufachen, welche ſeine eigene Vernachläſſigung hatte ausgehen laſſen; allein, um zu pflegen, zu wachen, zu dulden, zu bereuen und doch wieder heiter und hoffnungsvoll von Wiedergeneſung zu ſeiner ſterben⸗ den Gattin zu ſprechen, die er doch unrettbar verloren ſah! Roſa pflegte ihn mit einer ruhigen, holden Sanftmuth in ihren Zügen anzuhören, denn ſie getraute ſich nicht, ihm die Hoffnung zu benehmen, welche, wie ſie wähnte, noch immer in ſeinem Herzen weilte, obſchon ſie ſtets ein Verlangen trug, mit ihm von der Trennung zu reden, welche ihnen ſo nahe bevorſtand damit ſie ſich Beide hieraus auf ein einſtiges Wiederſehen jenſeit des Grabes vorbereiten lernen möchten. Allein wann ſie ihn von den ſchönen glücklichen Tagen der Zukunft reden hörte, welche ihnen noch gegönnt ſein würden, wagte ſie ihm nicht zu geſtehen, daß dieſe Träume oder Hoff⸗ nungen für ſie auf Erden nicht mehr zu verwirklichen ſeien, geſchweige denn ihm den Gedanken auszuſprechen, welcher ihr zuweilen durch den Sinn zog, daß wenn ſie nun Beide auf dieſen ſchweren Schlag gerüſtet wären, es beſſer ſein würde, ſo zu ſterben, ſo liebend und wieder geeinigt, als wiederzuge⸗ neſen, um die Feſtigkeit ſeiner Vorſätze zu erproben. Nicht als ob ſie irgend ein Mißtrauen in die Reue ihres Gatten ſetzte, ſondern ſie hatte ſo ſchwer gelitten, ihr Leben war eine ſolche verlängerte und fortgeſetzte Enttäuſchung geweſen, daß ihr Gemüth alle Spannkraft der Hoffnung eingebüßt zu haben ſchien, und ſie unfehlbar am gebrochenen Herzen geſtorben wäre, wenn ſie abermals ihren Gatten dem ſtillen häuslichen

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