Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
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die Seite, als ob ſie heftigen Schmerz verſpüre. Dieſe bedeut⸗ ſame Geberde, das abgehärmte Antlitz, der hohle, dumpfe Huſten das Alles ſah er jetzt zum erſten Male und allzu ſpät, der blinde, elende, ſelbſtſüchtige Thor! Wie furchtbar erſchütternd iſt jene unzweideutige Ueberzeugung vom Aller⸗ ſchlimmſten, wenn ſie plötzlich auf unſer Gemüth einſtürmt! wie ſchließt ſie alle Hoffnung aus, wie ſcheint ſie in ſich ſelbſt allen Kummer und alle Seelenangſt zu concentriren, von welchen wir glauben, daß nur ein langſamer und allmälig vorbereitender Verlauf uns zu geduldiger, reſignirter Er⸗ tragung befähigen könnte!

Wie Schuppen fiel es jetzt von ſeinen Augen und im Nu ſchwanden ihm all jener Wahn und jene Illuſionen, welche die angeborne Selbſtſucht der Menſchen⸗Natur, die Eitelkeit, der überwältigende Hang zu den Weltfreuden und der Durſt

nach Bewunderung in ihm auf ſolch verhängnißvolle Weiſe

entwickelt und genährt hatten. Zum erſten Male ward er ſich

mit einem niederdrückenden Schmerz⸗ und Schamgefühl des großen, namenloſen Unrechts bewußt, welches er Roſa zuge⸗ fügt hatte: ſeine Gleichgültigkeit, ſeine Vernachläſſigung, ſeine ganze Schuld ſtanden in erſchreckender Größe vor ſeinem geiſti⸗ gen Auge. Die Liebe zu ihr, die er ſo lange vergeſſen und verſcherzt, das Andenken an frühere Zeiten, die im fiebe⸗ riſchen Getriebe und Getümmel ſeines ſpätern Lebens ihm zu zahm und ſchaal erſchienen waren, als daß er ſich dieſelben gern in's Gedächtniß zurückrief, die ſtille, duldende, ſchonende, verzeihende, treue Anhänglichkeit, die ihm Roſa noch bis zu dieſer Stunde bewahrt hatte dies Alles ſtieg jetzt bei dieſem furchtbar erſchütternden Rückblick auf ſein Leben in ſeinem Geiſte auf, als er nun mit zerknirſchtem Gemüthe zu ihr trat