Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
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merken Sie wohl auf meine Worte, Gramberg! Ihre Frau fand ich ſterbend, dem Tode rettungslos verfallen!

Sterbend? wiederholte Herbert und alle Farbe wich von ſeinen Lippen und den ſchamerglühten Wangen, obſchon ſein Entſetzen ſo groß war, daß er es kaum nach ſeinem ganzen Umfange erfaßte. Sterbend? Warum ſollte Roſa den ſterben? ſie lebte, ſie athmete ja nur in ihm? Warum ſollte ſie denn jetzt gerade ſterben, wo ſie zu ſeinem Glücke noch ſo 1 nothwendig war?

Ja, ſterbend! fuhr der Doctor mit einer Stimme fort, welche vor Aufregung bebte;Ihre Frau iſt rettungslos ver⸗ loren, und doch finde ich Sie hier! Roſa wollte mir nichts ſagen, ſondern verſuchte mich beharrlich zu überreden, daß ſie glücklich und daß Sie noch immer ihr lieber, zärtlicher Gatte ſeien. Allein die Höhe, zu welcher Roſa's Leiden ſich ſo ent⸗ wickeln konnte, ohne daß auch nur ein Verſuch gemacht wurde, demſelben zu begegnen, der Stempel der Vereinſamung, Verlaſſenheit und Verwahrloſung, welcher ihrer ganzen Um⸗ gebung aufgeprägt iſt, die Spuren von Thränen, welche ich auf ihrem lieben, ſanften Geſichte ſah, die gefliſſentliche Müßhe, die ſie ſich gab, um meinen Fragen wegen der Zeit Ihrer

allabendlichen Rückkehr nach Hauſe auszuweichen, alles dies bewies mir ſonnenklar das Vorhandenſein eines Zuſtandes der Dinge, einer Sachlage, welche ich noch vor zwei Stunden für ganz unmöglich gehalten haben würde!

Herbert vermochte noch immer nicht zu antworten; der Gedanke, daß Roſa's Leben wirklich gefährdet ſei, drückte mit eiſerner Wucht auf ſein Gemüth. Er vermochte nicht klar zu denken oder Schlüſſe zu ziehen; er war noch ganz betäubt, denn er ſah ſich zum erſten Mal aus einem Traum von Aufregung 4