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Des Doctors Züge waren bleich und ernſt; die letzte Scene, der er angewohnt, hatte ſeinen Widerwillen vervollſtändigt. Er rief ſich die kleinen Zimmer von Roſa's Wohnung, die ein⸗ fachen Möbeln, die engherzige Sparſamkeit in's Gedächtniß, welche dem ganzen Hausweſen der armen Frau Gramberg auf⸗ geprägt war; er gedachte daran, wie die demüthige, liebevolle Frau in dem Wunſche, möglichſt zu ſparen, ihre eigene Geſund⸗ heit vernachläſſigt hatte, und ſein Herz empörte ſich gegen den ſelbſtſüchtigen Vergnügling von Weltmann, welcher vor ihm ſtand.
Herbert's Benehmen war zwar herzlich, aber verlegen, und ſchon bei den erſten Worten der Begrüßung verſpürte er einen Zwang, den er nicht ganz abzuſchütteln vermochte. Es quälte ihn der Zweifel und die Neugier, ob der Doctor ſchon
ſeine Frau geſehen und geſprochen habe, und der Auftritt mit
dem kleinen Billet trat ihm wieder mit unbehaglicher Span⸗ nung vor die Seele. Seine Ungewißheit war aber bald zu Ende.
„Lieber Gramberg,“ hub ſein alter Freund an und zog ihn in eine Fenſterniſche—„Herbert, ich liebte Sie einſt wie
meinen eigenen Sohn;— ich ſpreche ſogar noch in dieſem Au⸗ 9 hn;
genblicke wie ein Vater mit Ihnen. Es ſind kaum etwas mehr als vier Jahre her, daß ich mit Ihnen in der kleinen Dorfkirche
ſtand und Ihnen Roſa Vierland vor dem Altare zuführte. Da⸗
mals übergab ich ſie Ihnen friſch, ſchön, blühend, ſtrotzend von
Geſundheit und Hoffnung. Heute lange ich in Florenz an und finde Roſa ſchwach, verlaſſen, voll Kummer und mit gebroche⸗ nem Herzen! Ja, ja, ich ſah Alles ganz deutlich, wie es ge⸗ kommen war! Ich fand Ihre Frau, die Ihnen Alles geopfert hat— ſie, welche Sie auf den Händen zu tragen gelobten—, Mylius, Für Frauenhand. I. 24
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