Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
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jüngſten Zeit erſt eine ſo furchtbare, ſchmerzliche Heimſuchung beſcheert wurde. Und nun erzählte ſie ihm die Krankheit und den Tod ihres kleinen Kindes. Ueber dieſen vermochte ſie end⸗ lich ohne Zwang zu ſprechen, und ihre Thränen floſſen frei und reichlich, als ſie bei dem Verluſte ihres kleinen Töchterchens verweilte; aber es lag ein Troſt in dieſen Thränen und eine Freude ſogar in ſolchem Kummer, denn er heiſchte wenigſtens keine Verſtellung.

Arme Roſa! ſagte der Doctor;ſo haben Sie alſo ſchon jetzt Ihr reichliches Theil Kummer und Schmerz erfah⸗ ren? Aber der kleine Hans iſt Ihnen ja noch geblieben darf ich ihn nicht ſehen?

Sie willfahrte ihm gerne und führte ihn in ihr Zimmer, wo der Knabe in einem kleinen Bettchen, dicht neben dem ihrigen, in ſüßem Schlafe lag. Er war ſchön, ſogar für an⸗ dere Augen als diejenigen ſeiner Mutter; ſo lag er nun in ſeinem Bettchen, das Köpfchen auf den einen Arm gelehnt, mit roſigen Wangen, die goldenen Locken über das Kopfkiſſen zer⸗ ſtreut, mit geſchloſſenen Augenlidern, in deren Wimpern noch Thränen hingen, von Zeit zu Zeit noch im Schlafe zuſammen⸗ zuckend und ſchluchzend in Folge der Alteration über die väter⸗ liche Züchtigung. In ſeinem unruhigen Schlafe hatte er die Steppdecke etwas bei Seite geſchoben und ſeine hübſch gerunde⸗ ten Glieder lagen nun zu Tage, bisweilen noch zuckend bei jedem ſchluchzenden Athemholen, als Nachwehen des erſten Paroxysmus von wirklichem Kummer, welchen ihm ſein junges Leben beſchieden hatte.

Iſt er nicht hübſch und lieblich? flüſterte Roſa, als ſie ihm zärtlich die in Unordnung gerathene Kleidung und Bett⸗ zeug wieder zurechtlegte; dann kniete ſie neben ſeinem Bettchen