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—„Nein, mein theures Kind, ich erkenne Sie endlich wieder, und bin recht erfreut, ſie wiederzuſehen,“ entgegnete Dr. Wyß und küßte ſie mit der Zärtlichkeit eines Vaters auf die Stirne. Dann ſetzte er ſich zu ihr auf das Sopha und blickte ſie eine lange Zeit ſchweigend an.„Ich bin heute Abend hier eingetroffen,“ fuhr er dann, aus ſeinen Gedanken ſich auf⸗ rüttelnd, fort.„Ich begleite den Grafen A. und ſeine Familie als Reiſearzt, und unſer Aufenthalt dauert wahrſcheinlich nur wenige Tage; darum habe ich Sie ſogleich aufgeſucht, um auch nicht Einen Abend Ihre Geſellſchaft zu verlieren. Wo iſt Herbert?“
„Unglücklicherweiſe iſt er heute Abend ausgebeten, zu ei⸗ nem Diner und zu einem Balle eingeladen,“ erwiderte Roſa und ſtammelte alsdann etwas, wie ſehr Gramberg es bedauern werde, wenn er nach Hauſe komme und höre, wer dageweſen ſeie; allein ſie benahm ſich dabei ſehr verlegen, denn die Augen ihres alten Freundes waren noch immer durchdringend auf ſie geheftet, und die Hälfte von Dem, was ſie hatte ſagen wollen, erſtarb ihr auf den Lippen.
—„Nun, liebe Roſa, wie gehi es Ihnen denn?“ fuhr
Wyß fort; pes iſt ſchon ſo lange her, daß Sie mir nicht mehr geſchrieben haben. Die beiden erſten Jahre kamen ihre Briefe ſo regelmäßig, ſo voll Glück und Freude, ſo voll von Ihrem Herbert und dem kleinen Hans, daß ich glaubte, Sie erfreuten ſich ewiger Flitterwochen.“
„Und haben Sie aus meinem Schweigen auf das Gegen⸗ theil geſchloſſen?“ fragte ſie ängſtlich.„O, dann ſind Sie im Irrthum. Glauben Sie das ja nicht, ſondern ſchreiben Sie das Ausbleiben meiner Briefe dem Umſtande zu, daß alle meine Zeit ſo ſehr in Anſpruch genommen iſt, und daß mir in der


