Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
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Deerr Winter kam ſo kalt und ſtrenge, wie er nur ſelten unter dieſem geſegneten Himmel Italiens auftritt. Die ſchar⸗ fen Winde und andauernden Regengüſſe hielten ſie mehrere Wochen lang im Hauſe gefangen, und hinderten ſie ſogar an den gewohnten kleinen Spaziergängen mit ihrem Söhnchen Hans, ſogar am ſonntäglichen Kirchenbeſuche. Die arme Roſa! wie oft war ſie früher allein dorthin gegangen! Wo waren nun die Hoffnungen, welche am Hochzeitstage ihr Herz erfüllt hatten, und von denen ſie damals geglaubt, ſie würden ihr ganzes Daſein heiligen? Allein bei alledem war dieſe Heim⸗ ſuchung für ſie doch nicht ganz nutzlos; ſie lockerte das Band, das Roſa mit der Welt verknüpfte, und lenkte ihre Hoffnungen, Ausſichten und Neigungen auf einen andern höhern Zweck, auf einen unſichtbaren Gegenſtand hin.

Endlich kam ein warmer, windſtiller, ſonniger Tag, und ſie ließ ſich durch die dringenden Bitten ihres Söhnchens zu einem Spaziergang bewegen; allein kaum war ſie einige Mi⸗ nuten im Freien geweſen, ſo fühlte ſie ſich ſo ſchwach, daß ſie nach Hauſe zurückkehren mußte und nur noch mit der größſten Mühe die Treppe hinanſteigen konnte. Erſchöpft ſetzte ſie ſich auf jeden Treppenabſatz nieder, und Hans blickte ihr beſorgt ins Geſicht und wollte wiſſen, ob denn Mama krank ſei?

Ja, ſie war krank, kränker als ſie ſelber es vermuthete oder ahnte. Den ganzen Tag mußte ſie auf dem Sopha liegen, bis beinahe um die Zeit, wo Herbert nach Hauſe kam, um ſich zu einem Diner anzukleiden, zu welchem er eingeladen war. Sie hatte ſich vorgenommen gehabt, ihm zu ſagen, wie unwohl und angegriffen ſie ſich fühle; allein er war ungeduldig und in großer Eile und ſehr ärgerlich, weil irgend etwas, das er zu Hauſe angeordnet hatte, unterblieben war. Roſa hatte