Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
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er werde nachgeben, jedoch vergebens. Fröhlich entbot er ihr gute Nacht, nahm dann den Schlüſſel, der auf dem Tiſche lag, ſteckte ihn i in die Taſche, und verließ das Zimmer. Als ſie die Thüre des Flurs hinter ihm in's Schloß fallen hörte, ſprang ſie auf, eilte in den Flur hinaus und rief ihm nach:Herbert, lieber Herbert! Sie öffnete ſogar die Vorthüre des Flurs, um ihm noch nachzurufen; allein als ſie ihn ein heiteres fran⸗ zöſiſches Liedchen trällern hörte, während er die Treppe hinun⸗ ter ging, da ging ein plötzlicher Umſchwung in ihren An⸗ und Abſichten vor ſich. Die Thüre fiel raſch in's Schloß, und Roſa ſank auf ihre Kniee nieder und weinte krampfhaft.

Zwei oder drei Monate nach dieſem Auftritt lächelte Roſa's bleiches Geſicht auf ein neugebornes kleines Mädchen hernieder, und eine Zeitlang ſchien es der Mutter vergönnt zu ſein, mit wiedergekehrter Geſundheit und Kraft ſich ganz der Pflege ihres kleinen Säuglings zu widmen. Allein das Kind wollte nicht gedeihen; es ſchien Gift aus dem Buſen ſeiner Mutter zu ziehen, und ehe der Sommer zu Ende ging, war das ſchwächliche, liebe Weſen hingewelkt und geſtorben.

Herbert fühlte den Verluſt nur wenig, denn er wie alle Diejenigen, welche das arme Kind geſehen hatten und Zeugen ſeiner ſchwächlichen Leibesbeſchaffenheit geweſen waren, hatte keinen Grund gefunden, ſeinen frühen Tod zu beklagen. Allein eine Mutter läßt ſich nicht mit ſolchen Vernunftgründen ab⸗ finden. Der Tod hatte ihr noch nie zuvor eine Perſon geraubt, die ſie liebte, und die Hülfloſigkeit des Kindes hatte ihr daſſelbe eher noch theurer gemacht. Gerade um jene Zeit war Alles ſehr ruhig, und Herbert that ſein Möglichſtes, um Roſa aufzuheitern; allein als der Herbſt weiter vorrückte und Roſa noch immer leidend und gedrückt war, fand er es bald wieder für noth⸗