Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
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aus ſeinem Hauſe zu bitten, und ſeine Fürſprache zur Er⸗ langung dieſes wenig begehrten Amtes nachzuſuchen.“

„Und Sie hatten keine höhere Ambition als dieſen Poſten?“ fragte der Lieutenant verwundert.

Stirnbrand zuckte lächelnd die Achſeln.„Vorerſt nicht, Herr Lieutenant!“ ſagte er;„es zog mich hieher, in den Kreis des Berufes zurück, dem ich mich für das ganze Leben geweiht hatte,— aus dem Sybaritenleben eines vornehmen Hauſes in unſerer Reſidenz hinaus in die ſtrenge nüchterne Klauſe dieſes moraliſchen Krankenhauſes, die ich hoffentlich nicht ſo raſch wieder verlaſſen werde!“ 4

Der Offizier war betreten.— Ein wunderlicher Kauz! mochte er denken; ein frommer Schwärmer bei all ſeinem Verſtand!—„Da kommt der Verwalter!“ ſagte er zu dem Kandidaten, auf einen kleinen Mann mit militäriſch⸗ſtraffer Haltung deutend, der ſo eben über den Hof her auf die Beiden zukam.„Den hat das Geräuſch ihres Wagens angelockt, und er wird Sie nun zum Juſtizrath und Kommandanten führen und dann in Ihre neue Wohnung einweiſen. Unſer neuer Hauskaplan; Herr Verwalter Geyer! Herr Kandidat Stirn⸗ brand! Auf Wiederſehen, Herr Kaplan!“ Damit grüßte er militäriſch und ging zu ſeiner Truppe, welche ſo eben unter

Trommelſchlag vor der Wache in's Gewehr trat.—

3.

Es gibt ein Gefühl in der Menſchenbruſt, dem an innerer Befriedigung und Erhabenheit nur wenige andere Empfindun⸗ gen gleichkommen dürften, und dieß iſt das Bewußtſein treu erfüllter Pflicht in dem uns angewieſenen Wirkungskreiſe. Dieſes Gefühl, dieſer innere Frieden, dieſe ſtille dankbare

Mylius. Für Frauenhand. I. 3