Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
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„Allerdings, Herr Kaplan; aber nicht Jedermann iſt zum Arzt geſchaffen. Und der Arzt iſt den Kranken gegenüber noch in einer weit beſſern Stellung, als Sie oder der Seel⸗ ſorger überhaupt gegenüber von ſolchem Abſchaum der Menſch⸗ heit, wie Sie ihn hier treffen werden. Der Arzt iſt eine will⸗ kommene Erſcheinung am Krankenbette; aber in Ihnen wird jeder Verbrecher nur ſeinen Feind ſehen....“

„Da ſei Gott für!“ meinte der Kaplan.„Mancher mag ein ſolches Vorurtheil hegen, weil er in dem Manne meines Standes und Amtes eine Art perſonificirten Gewiſſens ſieht, ein Werkzeug des ſtrafenden Richters über den Sternen, der Herzen und Nieren prüft. Aber gerade der Umſtand, daß er mir mit Scheu entgegentritt, zeugt von dem Bewußtſein ſeiner Schuld, dem Bewußtſein eines krankhaften Seelenzuſtands, und zeigt mir den Punkt, wo ich den Hebel einſetzen kann, um ihm zu beweiſen, daß er zwar krank, aber nicht unheilbar krank iſt, und um ihm die heilende Kraft der göttlichen Liebe zu zeigen, die dem Reuigen den Schoos der Gnade öffnet. Was würden Sie zu dem Arzte ſagen, der Sie für krank erklärte, ſo lange Sie noch nicht des ſchleichenden Siechthums an ihrem Körper bewußt wären? Würden Sie ihm im Wahn, als Ge⸗ ſunder ſeiner nicht zu bedürfen, nicht ebenfalls mit Vorurtheil

Es dreht ſich alſo Alles um den Angelpunkt: ob man ſich krank

gfühle und Vertrauen zum Arzt, ſeiner Kunſt und ſeinen Heil⸗ mitteln habe; nicht wahr?“

„Allerdings!“ ſagte der Lieutenant, der ſeither erſtaunt

und mit unwillkürlichem Intereſſe den Kandidaten betrachtet

hatte, und ſich nun auf einmal ſeltſam von ihm angezogen fühlte.