Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
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28 Ernſt dem geſprächigen Offizier;„aber bei mir würde er trügen, denn meine Hoffnungen ſproſſen nun erſt recht mit dem Schritte über dieſe Schwelle; ich finde hier einen erſehn⸗ ten Wirkungskreis, und ſpreche mit Inbrunſt, indem ich in denſelben eintrete: Mit Gott den Anfang!““

O weh, ein Pietiſt vom reinſten Waſſer! dachte der Lieu⸗ tenant und warf einen neuen, weit forſchenderen Blick auf den Kandidaten, während deſſen ihm mancherlei Gedanken durch den Sinn zogen. Das Aeußere des Kandidaten ließ eine Muth⸗ maßung, daß er ein Pietiſt ſei, kaum aufkommen. Die Züge dieſes Mannes, männlich ſchön, faſt von ſüdlichem Schnitt und dunkler Färbung, trugen das Gepräge eines feſten eiſernen Willens; aus dem dunklen Auge leuchtete Verſtand und der Widerſchein eines reichen, von mancherlei herberen Lebenser⸗ fahrungen geläuterten Gemüths, die ihre Spuren noch in einem gewiſſen Ernſte und Melancholie dieſer Phyſiognomie zurück⸗ gelaſſen hatten, welche aber ihrem mannhaften Ausdruck keinen Abbruch that. Die aufrechte Haltung, der ſtraffe Gang und vor Allem der freie offene Blick hatten etwas ſo Entſchiedenes, daß man wohl bemerkte, er könne weder heucheln noch frömmeln.

„Jenun, ſo wünſche ich Ihnen Glück zu Ihrer Miſſion, Herr Kaplan! und vor Allem Ausdauer!“ meinte der Lieu⸗ tenant.„Ihr jüngſter Vorfahr im Amte kam vor vier Mona⸗ ten mit denſelben Vorſätzen, und ſchon nach acht Wochen hatte er das Amt ſo dick ſatt, daß er ſich krank meldete, nur um un⸗ ter dem Vorwand einer Luftveränderung wieder von hier weg⸗ zukommen!“

Der Kandidat Stirnbrand zuckte die Achſeln.„Ich habe davon gehört,“ ſagte er,„und das Ergebniß ſoll vorauszuſehen geweſen ſein, da mein Vorfahr einer guten Familie angehörte