Mindeſte mehr gehört worden, und eine dämmernde Ahnung ſagte Charlotten, Wilibald möchte etwa den Weg nach Ham⸗ burg oder nach Holland eingeſchlagen haben, wo er vordem als Gärtner gearbeitet und wohin er ſich immer zurückgeſehnt hatte, wenn die Sorgen für das eigene Heimweſen und deſſen Erhaltung allzu ſchwer auf ihn drückten. Dorthin zog es ſie mit unwiderſtehlicher Gewalt, in der trügeriſchen Hoffnung, ihre beiden Lieben wiederzufinden. Sie ordnete alſo mit Hülfe eines Anwalts das Schuldenweſen ihres Mannes, wobei ſie noch ihre eigene geringe Habe zum Opfer brachte, und wanderte eines Wintermorgens auf der Hamburger Straße dahin, das Herz von Erwartungen geſchwellt, einen Korb am Arme, der all ihre Habſeligkeiten enthielt. Einige Tage ſpäter zog Dolffs in das Häuschen auf dem Damme, und richtete den früheren Schifferkrug wieder ein. Er hatte es aus den Händen des Senators Mühlbach erſtanden, welcher als Hauptgläubiger von Wilibald Franzen es unter dem Hammer erworben hatte. *⁵* *
Mehrere Jahre lang waren Charlotte und ihr Gatte und das Kind ganz verſchollen; die Geſchichte des Kinderraubs war beinahe ganz in Vergeſſenheit gerathen oder im Andenken der Bewohner des Städtchens von anderen neueren Ereigniſſen verdrängt worden. Nur Dolffs, der bald nach der Einrich⸗ tung ſeines Kruges ſich mit einem Dienſtmädchen aus dem Hauſe des Senators verheirathet hatte, ſchien jene Geſchichte noch immer nicht vergeſſen zu können, und erzählte ſie oft den Schiffern, ſeinen Gäſten, wenn ſie an den langen Winter⸗ abenden bei ihm zum Biere ſaßen und der Wind um das Dach pfiff. Und ſelten verfehlte er dann, den einen oder den andern fremden Schiffsmann nach dem Joſt Hausmann zu


