Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

die Franzen haben will; aber ich ſehe die Stunde noch kommen, wo ſie vor meiner Thüre betteln und winſeln wird; jedoch ich werde dann auch nicht hören!

Dann wird Gott, Gott mich hören! ſchrie die beinahe aberwitzige Mutter;geht hin, und behaltet Euer Geld; aber fordert keinen Dank für Euren guten Willen!

Herr Mühlbach ging, unverſöhnlichen Groll im Herzen, und ſchüttelte draußen den Staub von den Füßen. Ein Mann machte ſich an ihn, mit der kriechenden Demuth gemeiner heuch⸗ leriſcher Armuth.Gott lohne es Ihnen, Herr Senator! ſagte er;Sie haben uns durch Ihre Großmuth ordentlich gerührt. Ach wie wohl thut es, daß man ſolche Menſchen auf Erden trifft, wie Sie! Aber Sie hätten wirklich Perlen vor die Schweine geworfen, wenn Sie der Franzen eine Wohlthat gethan hätten! das Weib iſt zwar fleißig und man kann ihr nichts Schlimmes nachſagen; aber ſie hat den Teufel im Leibe, dieſe Lotte! Eine Zunge wie ein zweiſchneidig Schwert, ein wahres Meſſer von einem Weibe, voll Gift und Galle, und fängt Feuer wie ein Lichtſpan! Der arme Wilibald hat wohl gewußt, warum er davon ging; ihre Zunge ließ ihm kein Stündchen Ruhe, und ſo'ne böſe Weiberzunge ſchneidet ein Kabeltau ab, geſchweige denn den Spinnefaden der Liebe!

Wirklich, Dolffs? fragte Herr Mühlbach;kennt Ihr die Verhältniſſe genauer?

Leider ja, Herr Senator! wir ſind ja Nachbarn und ich hab' mich immer auf des Wilibald's Seite geſchlagen, denn ich wußte, daß er oft nur den Groll im Schnapsglas ertränkte, wie ſie ſelber geſagt hat!

Dann hat mir mein guter Stern noch bei Zeiten die Augen geöffnet! ſagte der Kaufherr ſichtlich erleichtert.