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„Nun, nun, liebe Frau,“ ſagte Herr Mühlbach zu ihr und rüttelte ſie leiſe an der Schulter;„laßt Euch das nicht ſo angreifen!'s iſt nur eine Kleinigkeit, was ich thue, und Ihr ſeid nun wenigſtens der bitteren Sorgen ledig, und könnt wieder einen brävern Mann und andere Kinder bekommen!“
Charlotte fuhr wild auf und ließ ein ſeltſames irres Lachen hören.„Eine Kleinigkeit?“ rief ſie und ſtieß das Pa⸗ pier zurück,—„ja, wohl eine Kleinigkeit iſt's, wenn dieſes Stück Papier einer armen Frau den Gatten und das Kind erſetzen ſoll! den Gatten, den Sie ihr vertrieben— Sie, ja Sie, Herr, mit Ihrer dummen Fürſorge, mit Ihrer mißver⸗ ſtandenen guten Abſicht und Ihrem übel angebrachten guten Rath! Mein Wilibald war kein Engel— weit entfernt; aber auch ſo ſchlimm war er nicht, wie Sie ihn eben ſchalten. Er war ein muſterhafter Gatte und Vater, wenn er nicht Brannt⸗ wein getrunken hatte, und den trank er meiſt nur, um die drückenden Sorgen zu vergeſſen. Das wiſſen und verſtehen freilich die reichen Leute nicht, die dann in ihre Geſellſchaften oder die Komödie gehen. Nein, ganz ſchlecht war mein Wili⸗ bald nicht, denn er hatte noch ſeinen Stolz, und bei dem konnte man ihn packen. Und Sie haben ihn auch dabei gepackt, Herr Mühlbach, als er vor vierzehn Tagen bei Ihnen ſein Geld holen kam, aber Sie packten ihn von der unrechten Seite. Wie viel hatte er mit dem Geld ausrichten wollen, das er von Ihnen zu bekommen hatte! wie hatten wir uns darauf gefreut, daß wir damit einige von unſeren kleinen Schulden abtragen und dieß und jenes für den Hausrath anſchaffen könnten und einen Nothpfennig hätten für den Winter. Da hatten Sie ihm vor all Ihren Leuten den guten Namen und die Repu⸗
tation genommen, und ihn toll und armſelig gemacht und ſein Mylius, Für Frauenhand. I. 2


