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Um ſo mehr überraſchte es ihn, daß Charlotte bei ſeinem und der Seinigen Eintritt kaum aufblickte, geſchweige denn auf⸗ ſtand, denn ſie ſaß einſam, mit gebrochener Kraft und fiebe⸗ riſch glühenden, thränenloſen Augen am Tiſche, mit weit vor⸗ gebeugtem Oberkörper, das müde verwirrte Haupt auf ihre beiden Hände geſtützt. Sie war in jenem Stadium des Schmer⸗ zes angelangt, wo dieſer ſelbſtſüchtig wird, wie das Glück, und ſtumm und menſchenſcheu macht, wo Einem die Welt gleich⸗ gültig, das Leben eine Bürde, der Tod ein Labſal erſcheint, — eine Stufe des Schmerzes und Seelenleidens, die nur der⸗ jenige kennt, welcher ſie ſchon erlebt hat— und wohl Dem, welchem dieſe Kunde erſpart blieb! Die Störung war der ar⸗ men Frau beinahe ärgerlich, um ſo mehr als Herr Mühlbach einen ſalbungsvollen Sermon anhob, worin er ſchwere An⸗ klagen auf das Haupt des heimathflüchtigen Gatten häufte und mit der Erklärung ſchloß, daß er, um wenigſtens die äußere Lage der tiefgebeugten Frau beſſer zu geſtalten und ein from⸗ mes Werk zur Feier eines Familienfeſtes zu thun, ihres Gatten Schulden auf das Häuschen bezahlt habe und ihr nun den ſchuldenfreien Beſitztitel übergeben wolle.
Frau Franzen blickte dem Kaufherrn betroffen und ver⸗ wirrt in's Geſicht, auf welchem ſich die ungeheure Behaglichkeit abſpiegelte, die er von der reichen Tafel daheim mitgebracht und der er nun auch durch einen geiſtigen Genuß die Weihe geben zu wollen ſchien. Es war als habe ſie ihn nicht begrif⸗ fen, als gehe ihr Geiſt irre. Herr Mühlbach wiederholte ihr den Zweck ſeines Beſuchs und legte ihr den Beſitztitel auf den Tiſch. Da ſank die Frau, die ſich zuvor betroffen aufgerichtet hatte, plötzlich in den Stuhl zurück, und barg mit lautem Weinen den Kopf in die Hände.


