Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

ſchung;ich bin ruinirt, ich kann nicht mehr nach Hauſe, wenn ich mein Geld nicht wieder bekomme! Warum ſind wir ihm nicht lieber über die Brücke nachgeeilt, Dolffs? Wir hätten ihn zur Zeit nun eingeholt und brauchten nicht in der kalten Nacht hier zu liegen!

Geduldet Euch, Joſt! meinte Dolffs;er muß jeden Augenblick kommen. Sandi Ihr ja doch, daß ſein Weib ihn erwartete.

Hm, wenn er aber ſchon zu Hauſe wäre? meinte der Schiffer;wenn ſeine Alte ſich nur ſo geſtellt hätte, als ob er noch nicht zu Hauſe ſei, weil ihr ſchwante, was wir von ihm wollten? He, Dolffs, hat Euer fintenreiches Gehirn daran noch nicht gedacht?

Es iſt nicht möglich! verſetzte der Andere nach kurzem Beſinnen;der Weg zu Waſſfer iſt näher und ich ſah ihn deut⸗ lich über die Schiffbrücke gehen. Auch iſt's dem Weibe nicht um's Verhehlen, denn ſie gönnte, denk' ich, ihrem Manne eine Tracht Schläge recht von Herzen. Indeſſen können wir ja nachſehen.

Sie ſtiegen die Lehne des Damms hinan, an welcher Steinſtufen bis zu dem Häuschen hinaufführten. Oben war ein ſchmaler Pfad längs der Krone des Dammes, von welchem aus man leicht in die niedrigen Fenſter ſchauen konnte. In der kleinen Wohnſtube war Alles dunkel; aber in der Schlaf⸗ kammer brannte eine trübe Oellampe, nothdürftigen flackern⸗ den Schein über den engen Raum verbreitend. Das Fenſter war noch angelegt, und ließ die beiden lauſchenden Männer ſehen, daß Frau Charlotte, von Erſchöpfung überwältigt, ſich in den Kleidern auf das Bett gelegt hatte und eingeſchlafen war. Ihre tiefen, langen Athemzüge verriethen, wie unerbittlich