Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
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gut und war mit ſeinen häuslichen Verhältniſſen genau ver⸗ traut; er kannte die Mängel im Charakter des Gärtners, ſeine Charakter⸗ und Willensſchwäche, ſeinen Wankelmuth in Ent⸗ ſchlüſſen, ſeinen unſeligen Hang zum Trunk, aber er wußte auch ſeine guten Eigenſchaften zu ſchätzen, welche Wilibald nicht abzuſprechen waren: ein gewiſſes rauhes Selbſtgefühl, den Ausfluß des Bewußtſeins ſeiner ſeltenen Geſchicklichkeit als Gärtner, einen ſeltſamen, oft ſchroffen Ehrgeiz, große Gut⸗ müthigkeit und blindes Vertrauen zu Anderen, und eine un⸗ eigennützige Aufopferungsfähigkeit, welche leider oft von Un⸗ würdigen ausgebeutet wurde. Hr. Mühlbach hatte Wilibald ſogar ſchon häufig mit kleinen Geldanlehen unterſtützt, und ſich daher ſoviel Anſpruch auf des Gärtners Dankbarkeit er⸗ worben, daß er ſich für berechtigt erachtete, demſelben bei der Zahlung des Betrags jenes Samenkaufs einen Theil der Summe zurückzubehalten, in der wohlmeinenden Abſicht, den⸗ ſelben für die Bedürfniſſe des bevorſtehenden Winters als Nothpfennig der Familie zurückzulegen.

Ihr müßt mich nicht mißverſtehen, Meiſter Franzen 14 hatte der Kaufmann geſagt;ich werde Euch das Geld ver⸗ zinſen, da Ihr geſtehet, es nicht ſogleich und in ſeinem ganzen Betrage zu bedürfen. Bei Eurer unſeligen verhängnißvollen Leidenſchaft glaube ich aus Gründen der Menſchlichkeit Eurem

braven Weibe und Eurem Kinde dieſe Rückſicht ſchuldig zu ſein.

Schneidet es mir doch allemal durch Mark und Bein, wenn ich erfahre, daß die arme Charlotte kaum das liebe Brod zu nagen hat, während Ihr im Wirthshauſe bei Trunk und Spiel den ſchweren ſauren Ertrag Eures gemeinſamen Fleißes vergeudet! Lieber Meiſter! wollte Gott, Ihr könntet der Verführung da⸗ zu immer ausweichen, Ihr wäret dann der glücklichſte Mann,