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barten Holzhöfen geſchafft wurden. Hinter dem Häuschen und zu beiden Seiten zog ſich ein Blumen⸗ und Gemüſegarten hin, welcher den Unterhalt der kleinen Familie lieferte, von einer hohen Mauer eingefaßt, an welche ſich einige Spaliere und Treibhäuſer anlehnten. An den Wänden des Häuschens zogen ſich Schlinggewächſe hin und umfaßten es mit einem friſchen grünen Gewande, das ſelbſt jetzt die erſten Winter⸗ fröſte noch nicht ganz zu entblättern und abzuſtreifen vermocht hatten. Das kleine Haus lag ſo freundlich und anmuthig, recht wie ein Neſtchen in einem blühenden Fliederbuſche, am Saume ſeines Gartens; ſein ſpitzes Giebeldach und ſeine nie⸗ deren Fenſter, ſein Epheukleid und die hohe Weymouthskiefer, welche den Firſt überragte, ſpiegelten ſich drunten in des Stromes grünen Wellen, die langſam an ſeinem Fuße hin⸗ zogen. Es war ein Plätzchen, worin ein Menſchenpaar ſich hätte heimiſch und glücklich fühlen können. Aber dennoch war das Glück hier nicht zu Hauſe, denn der Hausvater, Wilibald, war ein Trunkenbold, und floh des häuslichen Weſens fried⸗ liche Räume oft Tagelang, wenn ihn der wüſte Dämon des Branntweins einmal erfaßt hatte. Und dieſer Friedenſtörer hatte ihn nun ſchon ſeit einer vollen Woche vom Hauſe fern gehalten, und das arme Weib dadurch in Noth und Sorge verſetzt, welche beinahe menſchliche Begriffe des Erfaſſens und menſchliche Kraft der Duldung überſtiegen.
Wilibald hatte vor einigen Tagen ein vortheilhaftes Ge⸗ ſchäft abgeſchloſſen, deſſen Ertrag ſeine Erwartungen über⸗ ſtiegen; er hatte Samen von einer neuen Nutzpflanze, deren Kultur er mit Glück verſucht, an einen Großhändler der Stadt verkauft, welcher eine bedeutende Beſtellung darauf aus Ruß⸗ land erhalten. Hr. Mühlbach, der Kaufmann, kannte Wilibald
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