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lauſchte, und aus den gewaltſamen Bewegungen ſchloß er, daß hier eine Unthat begangen werden ſolle.
Der Abend war ſchon weit vorangeſchritten und Dunkelheit breitete ſich um ihn her.
Der Kampf im Zimmer oben wurde immer heftiger. Auf einmal hörte er einen ſchrecklichen Sturz, begleitet von einem eben ſo ſchrecklichen Angſtſchrei; zu gleicher Zeit klirrten Glasſcherben und verkündeten ihm, daß das Fenſter oben hinausgeſchlagen worden war. Mit peinlicher Aufmerkſamkeit folgte er lauſchend jedem Ton. In dieſem Augenblick ſah er etwas ganz Grauenhaftes, nämlich zwei Perſonen, die, einander feſthaltend, von oben herabſtürzten. Beide ſtießen auf die ausgebroche⸗ nen Fenſtergitter; der eine ſiel mit dem Kopf darauf, ſo daß er ſeinen Gegner losließ und weiter in die Tiefe hinabſtürzte. Der andere dagegen blieb an einem der Eiſengitter hängen, und Döring, der an's Fenſter geeilt war, ergriff ihn glücklicher Weiſe und zog ihn hinein, worauf er erſt entdeckte, daß Graf Orlow es war, den er gerettet hatte.
Orlow hatte indeß eine tiefe, tödtliche Wunde er⸗ halten. Eines der Eiſengitter war ihm in die eine Seite gedrungen. Beinahe bewußtlos, ſchien er jeden Augenblick ſterben zu können.
Döring hörte jetzt unter dem Fenſter Stimmen, und entdeckte, daß man bereits beſchäftigt war, die Leiche des andern Unglücklichen wegzutragen.
Er rief Leute herbei, erklärte ihnen das Vorgefal⸗ lene und bat ſie, die Thüre zu öffnen. Nach einigen Minuten geſchah dieß auch. Ein Arzt und ein Prieſter wurden gerufen, aber alle Hilfe war vergeblich.
Orlow's Leiden war ſchrecklich. Sein Gewiſſen züch⸗ tigte ihn mit Skorpionen.
Er erzählte, daß er Döring habe einſperren laſſen, und warum er dieß gethan.
Döring glaubte in dieſem Bekenntniß eine Art von Reue zu entdecken, und da er ſich in dieſem Augenblick


