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Eine unbeſchreibliche Angſt erwachte in ſeinem In⸗ nern. Alte Erinnerungen ſprachen mit dem Poſaunen⸗ ton des jüngſten Tages zu ihm. Das Gewiſſen, das er bisher gehoöhnt hatte, ſtand lebendig vor ſeinen Augen. Seine Gedanken verwirrten ſich: ſie verwandelten ſich für ihn in marternde Geißeln. Die Pulſe, die kaum noch ſo heftig geſchlagen, ſtockten, als wären ſie verſtei⸗ nert. Das Haar ſtand ihm zu Berge.
Marfa kam immer näher und näher. Wären alle abgeſchiedenen Geiſter der Welt ihren Gräbern entſtie⸗ gen, er würde keinen andern geſehen haben als ſie.
So glücklich ihn vorher der Gedanke gemacht hatte, Marfa vor der Kaiſerin entlarven zu können, ſo ſehr bebte er jetzt davor.
Aber ein neuer Gedanke erfüllte ihn jetzt mit Schrecken: nämlich daß Marfa ſelbſt nur in der Abſicht komme, um zu entdecken, wer ſie ſei.
Das Todesurtheil ſchwebte alſo über ſeinem Haupte. Nur eine augenblickliche kühne That konnte ihn retten.
Er war auch dazu bereit. Als Marfa die oberſte Treppenſtufe betrat, ſchlug Orlow heftig in ſeine Hände, ſo daß es laut klatſchte. Augenblicklich kamen jetzt, wie aus den Mauern ſelbſt, mehrere Perſonen heraus, die ſämmtlich der geheimen Polizei angehörten.
Orlow blieb beharrlich im Schatten unter der Lampe ſtehen.
— Verhaftet dieſes Weib! befahl er mit lauter Stimme; verhaftet dieſes Weib!
Die Schergen eilten hervor in der offenbaren Ab⸗ ſicht, über Marfa herzufallen; aber als ſie bis auf we⸗ nige Schritte zu ihr kamen und in dem hellen Lampen⸗ ſcheine die Wahrſagerin von Strelna erkannten, da blie⸗ ben ſie auf einmal, wie vor einer Heiligen, feſtgewurzelt ſtehen, und mehr als Einer erhob die Hand zu einer frommen Bekreuzung.
Orlow war außer ſich vor Wuth, als er die Zag⸗ haftigkeit ſeiner Leute ſah.


