Teil eines Werkes 
5. bis 14. Bändchen (1853)
Entstehung
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Ebenſo wenig befriedigend war der Gedankengang, dem die Kaiſerin ſich hingab.

Auch ihr hatte man die wahre Urſache für das Ausbleiben des Königs noch verſchwiegen.

— Er kommt, hatte man zu ihr geſagt; aber er hat den Ehevertrag noch nicht unterzeichnet.

— Ihr habt mich doch verſichert, daß er ſich nicht einmal die Mühe nehmen würde, ihn zu durchleſen. Ihr habt mich alſo getäuſcht.

— Darin haben wir uns ſelbſt getäuſcht, antwor⸗ tete man ihr, denn juſt die Durchleſung des Vertrags iſt es, was ihn aufhält; aber ſobald er ihn durchleſen hat, wird er augenblicklich erſcheinen.

Die Kaiſerin vermochte indeß nur mit Mühe ihren Zorn zu beherrſchen. Aerger und Wuth funkelten aus ihren Augen und hoben ihren Buſen.

Die Ahnungen gehen wie Brautjungfern der Ge⸗ wißheit voran.

Die Ahnungen waren düſter und trübe. Was ver⸗ kündeten ſie? Sollte die Gewißheit in ihren Spuren mit einer Bahre einherſchreiten, auf welcher ihre ſchön⸗ ſten Hoffnungen in's Gewand der Vergänglichkeit ein⸗ gehüllt lagen?

— Unmöglich.

Sollte wohl dieſes ganze Gebäude, für deſſen Auf⸗ führung ſie ſo manche Jahre ſich abgemüht, ſo viel berechnenden Scharfſinn aufgeboten, ſo manches Opfer gebracht und keine Koſten geſcheut hatte; ſollte wohl dieſes ganze Gebäude, ſtatt ſich zu einem Pantheon für die ſchönſten Gedanken ihres politiſchen Lebens zu ge⸗ ſtalten, zuletzt bloß als ein Kartenhaus befunden wer⸗ den, das beim geringſten Windhauch über ihr ſelbſt zu⸗ ſammenſtürzte?

— Unmäglich.

Sollte ſie, das anerkannt erſte regierende Haupt Eu⸗ ropa's, die Semiramis des Nordens, eine zweite Mi⸗ nerva an vorausblickender Weisheit, ſie, vor deren Macht