Teil eines Werkes 
5. bis 14. Bändchen (1853)
Entstehung
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durch den Gang der Wolken oder den Flug gewiſſer Vögel vorher verkündet. Die Natur war von Geiſtern bewohnt, welche uͤberall den Menſchen umgeben. Ge⸗ ſpenſter blickten von den Wipfeln der Bäume auf ſie herab, Elfen lächelten aus jeder Blume ihr entgegen, die Welt und das Leben waren ein großer Zauber; ihn zu löſen war eine Vermeſſenheit, ihn zu genießen war ihre Seligkeit.

Marfa hatte fortgefahren, die Lampe zu putzen, ohne dem Geplauder des Mädchens ſichtbare Aufmerk⸗ ſamkeit zu ſchenken. 4

— Komm her, Lechi, ſagte ſie endlich, nimm da die Lampe und ſtelle ſie auf ihren Platz im Gang.

Schweigend nahm Lechi die Lampe und entfernte ſich.

Um ein Marienbild, das in einer beſondern Niſche im Zimmer ſtand, brannten drei Lichter. Sobald Lechi ſich entfernt hatte, ſank Marfa beim Altar auf ihre Kniee nieder..

Mit gefalteten Händen und den Blick gegen die Heilige empor gewandt, verrichtete ſie ein ſtilles Gebet.

Marfa war eine Frau von mittlerem Alter; ſie mochte vierzig Jahre oder etwas darüber zählen. Ihr Ausſehen deutete auf große Schönheit in jüngeren Ta⸗ gen, obſchon Jahre und Leiden verheerend darüber hin⸗ gegangen waren. Die Geſichtszüge waren jetzt ſcharf, aber gleichwohl voll von der Würde, die eine fromm reſig⸗ nirende innere Ruhe gewöhnlich gewährt. Wenn man ſie genau betrachtete, ſo konnte man allerdings auf den Gedanken kommen, daß auch ſie großen und gewalt⸗ ſamen Leidenſchaften anheimgefallen geweſen ſei; aber es lag auch klar am Tage, daß dieſe nunmehr ausge⸗ rast hatten, und daß ihr Herz zum ernſten Gefühl der Vergänglichkeit des Lebens, ſo wie zum Bewußtſein einer höhern Beſtimmung gereift war, weßhalb auch die ge⸗ prüfte Erfahrung jetzt ihre beſten Saaten ausſtreute, weniger um die Reichthümer dieſer Welt zu vermehren, als um dem Himmel ein neues Opfer irdiſcher Schätze